Nutzung im Einklang mit der Natur. Geht das?

Die besondere Nutzungsgeschichte des Oelsener Raums mit kleinflächig und fragmentiert vorkommenden naturschutzfachlich hochwertiger Grünlandlebensräumen bei gleichzeitig artenarmen Grünlandausprägungen bildeten die Voraussetzung für das Langzeitprojekt zur Erprobung und Entwicklung von Regenerationsmöglichkeiten naturschutzfachlich wertvoller (sub-)montaner Grünlandlebensräume der Silikatgebirge aus ehemals intensivierten bzw. artenarmen Ausgangsstadien.

Seit 2001 agiert der Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V. als Projektträger in dem vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dem Freistaat Sachsen geförderten Entwicklungsprojekt.  Die wissenschaftlichen Partner sind die TU Dresden, die HTW Dresden,das Umweltzentrum Dresden e.V. und das Nabu-Naturschutzinstitut Region Dresden e.V.

An dieser Stelle berichtet wir über einzelne Projekt. Auf unserer eigens eingerichteten Projektwebsite zum E+E Vorhaben „Vergrößerung und Verbindung montaner Grünlandbiotope im Agrarbereich (Osterzgebirge)” erhalten Sie detaillierte und umfassende Informationen über Projektziele, Ergebnisse und die Artenvielfalt.


Vergrößerung und Verbindung montaner Grünlandbiotope im Agrarbereich (Osterzgebirge)

Berg- und Feuchtwiesen der Mittelgebirge stellen aus Naturschutzsicht sehr wertvolle Lebensräume dar, die seltene Pflanzen- und Tierarten beherbergen. Die schutzwürdigen Biotoptypen der (sub-)montanen Berg- und Feuchtwiesen sind jedoch einerseits durch Intensivierung, andererseits durch Aufgabe der ursprünglich extensiven Nutzung und infolgedessen eintretende Verbuschung bzw. Bewal­dung zunehmend gefährdet. Ziel des Vorhabens ist es, Maßnahmen der Regeneration, der nachhaltigen naturschutzgerechten Nutzung und -pflege sowie der Verbindung montaner Grünland­biotope im Sinne eines regionalen Biotopverbundes beispielhaft zu erproben und die botanisch bedeut­samen Vegetations­komplexe artenreicher montaner Gründlandgesellschaften aus Bergwiesen, Borst­gras­rasen, Feuchtwiesen und Niedermooren zu vergrößern und zu vernetzen. Aus den für dieses E+E-Vorhaben definierten Zielen werden für die wissenschaftlichen Begleituntersuchungen Phase II (2013-2016) mit den Teilgebieten Vegetationskunde, populationsbiologische Untersuchungen sowie Untersuchungen zur Keimungs- und Etablierungsökologie folgende Teilziele abgeleitet:

  1. Überprüfung der langfristigen Effektivität von praxisnahen Regenerationsmaßnahmen zur Vergrößerung, Wiederherstellung und Verbindung naturschutzfachlich wertvoller, artenreicher (sub-)montaner Grünländer auf ehemaligen Intensivgrünlandstandorten im Osterzgebirge (Oelsen) als Modellregion silikatischer Mittelgebirge.
  2. Überprüfung der Effektivität von biotopgestaltenden Maßnahmen in Kombination mit speziellen Artenhilfsmaßnahmen (Diasporeneinsaat, ex-situ Vermehrung und in-situ Pflanzung von Individuen) zur Etablierung langfristig überlebensfähiger Populationen von Zielarten (u.a. Arnica montana, Gentianella lutescens, Dianthus seguieri, Orchis mascula) der gebietstypischen, naturschutzfachlich wertvollen (sub-)montanen Grünländer
  3. Überprüfung der Effektivität von Maßnahmen zur Bekämpfung invasiver Neophyten am Beispiel der Lupine (Lupinus polyphyllus).

Letztendlich soll ein ökonomisch tragfähiges, auf andere Regionen übertragbares Handlungsmodell zur Entwicklung naturschutzfachlich hochwertiger Offenlandschaften silikatischer Mittelgebirgsräume erarbeitet werden.

Projektträger: Landesverein Sächsischer Heimatschutz
Kooperationspartner: HTW Dresden
Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN), Land Sachsen, Landesverein Sächsischer Heimatschutz


Kalkung von Wiesen in der Mittelgebirgslandschaft um Oelsen

Zur Sicherung der Regeneratiohmen des E+E-Vorhabens „Grünlandverbund im Osterzgebirge am Beispiel des Oelsener Gebietes“ und seinen Folgeprojekten geförderten Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen sowie der Weiterführung der Regeneration von naturschutzfachlich bedeutsamen und sehr wertvollen Grünlandkomplexen im FFH-Gebiet bzw. NSG „Mittelgebirgslandschaft um Oelsen“ wird für mehrere Flächen eine Kalkungsmaßnahme beantragt.
Beantragt wird eine Kalkung auf Flächen, die bereits einen hohen naturschutzfachlichen Wert besitzen bzw. sich in unmittelbarer Nähe naturschutzfachlich wertvoller Flächen befinden und ein in Richtung des Zielzustandes fortgeschrittenes Entwicklungsstadium erreicht haben, entsprechend der Erfassungen sowie Zielvorgaben des E+E-Projektes  (vgl. HACHMÖLLER et al. 2010) sowie des Managementplans zum SCI „Mittelgebirgslandschaft um Oelsen“ (HINTEMANN (2005)). Damit wird ein hoher Regenerationserfolg naturschutzfachlich wertvoller Grünländer bzw. die Erhaltung bereits wertvoller Bestände als Initiale gesichert.

Das Projekt konnte mit Unterstützung des Freistaates Sachsen und mit Mitteln der Europäischen Union umgesetzt werden. Zuständig für die Durchführung der ELER-Förderung im Freistaat Sachsen ist das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Referat Förderstrategie, ELER-Verwaltungsbehörde.

Signet - Europäischer Landesfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes


Bekämpfung der Lupine im östlichen Osterzgebirge

Von 2012-15 realisierte der Landesverein Sächsischer Heimatschutz das  Fördermittelprojekt „Neophytenbekämpfung im Raum Oelsen“, in welchem die Agrarproduktivgenossenschaft „Weideland“, Bad Gottleuba und die Beschäftigungsgesellschaft Pirna e.V. im Grünland um Oelsen folgende Maßnahmen zur Bekämpfung des invasiven Neophyten Lupinus polyphyllus umsetzten: Maschinelle Mahd, selektive Handmahd und selektive Glyphosatbehandlung. Die Mahd erfolgte jeweils in Form von zwei zusätzlichen Durchgängen im Frühjahr und im Herbst, die Herbizidanwendung  je einmalig im Frühjahr und im Herbst. In den Händen von Frau Claudia Walczak lag das begleitende Monitoring in Form floristischer Erfassungen zur Überprüfung der Effektivität der Bekämpfungsmaßnahmen und die Darstellung der Ergebnisse in einem Abschlussbericht. Projektgebiet sind Teile des NSG bzw. des gleichnamigen FFH-Gebietes „Mittelgebirgslandschaft um Oelsen“ (042E) im östlichen Osterzgebirge an der Grenze zur Tschechischen Republik. Für jede der drei Maßnahme-Varianten wurden 2012 Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet und seitdem jährlich erhoben. Für alle Behandlungsvarianten konnte Ende 2015 eine Reduktion sowohl der Anzahl der Triebe als auch des Deckungsgrades von Lupinus polyphyllus um über 90% erzielt, die Samenproduktion im Gebiet damit weitestgehend verhindert und eine sichtbare Schwächung der Vitalität der vorhandenen Bestände erreicht werden. Die höchste Erfolgsrate hinsichtlich der Reduktion der Anzahl vorhandener Lupinen wurde in der Variante Glyphosatbehandlung erreicht. In mehreren Dauerflächen lag die Erfolgsquote bei 100%. Erstmals wurde in der Variante selektive Handmahd in einer der acht Dauerflächen ein 100%iger Ausfall von Lupinus polyphyllus beobachtet. Veränderungen in der Zusammensetzung der Begleitvegetation zeigen sich zum einen in günstigen Entwicklungstendenzen in den beiden selektiven Behandlungsvarianten. Zum anderen zeichnen sich in der Variante maschinelle Mahd neben positiven Entwicklungen auch zunehmend ungünstige Einflüsse des hohen Nutzungsdruckes ab. Erkennbare oder gar anhaltende Schäden durch die Glyphosatbehandlung wurden bisher nicht beobachtet.

In den Jahren 2016 und 2017 setzten wir die Bekämpfung mit Mitteln der Richtlinie „Natürliches Erbe“ 2014 des Freistaates Sachsen in veränderter Form fort. Dabei wurde die selektive Glyphosatapplikation aus ökologischen Gründen durch die selektive Handmahd ersetzt und es gab nur noch eine zusätzliche Maschinen- oder Handmahd jeweils im Frühjahr und Herbst.

Im Boden sind immer noch Diasporen vorhanden, die dort teilweise bis zu 50 Jahre überdauern und keimfähig bleiben können. (STOH 2005; STRAFINGER & KOWARIK 2011). Lupine treibt fortlaufend im Jahr aus, bei selektiver Bekämpfung können Pflanzen übersehen werden, d.h., wenn die Bekämpfungsmaßnahmen ab 2018 abrupt enden, können wieder Pflanzen zur Blüte und Samenreife gelangen, Diasporen im Boden angehäuft werden.

Für das Jahr 2018 hat der Landesverein erneut erfolgreich einen Fördermittelantrag über die Richtlinie Natürliches Erbe mit einer weiteren Modifizierung gestellt. Die APG „Weideland“ brachte auf allen bisherigen selektiven Handmahdflächen (ca. 15 ha) ein neues Verfahren – das Ausstechen der Lupinenstauden mit einem Ampferstecher aus dem Öko-Landbau – zur Anwendung. Hierbei kommt es darauf an, die gesamte, sehr lange Hauptwurzel der Lupine komplett zu entfernen, um so ein erneutes Austreiben endgültig zu unterbinden, sofern bei einem Durchgang möglichst alle Alt- und Jungpflanzen der Stauden-Lupine auf einer Wiese gefunden und gezogen werden. Das Versuchsergebnis mit dieser Methode aus dem Jahr 2016 auf kleinen Teilflächen konnte anlässlich einer gemeinsamen Begehung aller Akteure am 7. September 2017 als vielversprechend bewertet werden.

Das Ausstechen mit Ampferstecher war für den Bewirtschafter ein Kraftakt. Das Grundproblem auch bei dieser Methode besteht zum einen darin, dass die Lupinen zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr keimen und wachsen, d. h., egal ob man im Frühjahr aussticht, wenn das Gras noch niedrig ist und die Pflanzen gut zu sehen sind, damit sie nicht zur Blüte bzw. zum Fruchten kommen oder im Herbst, es werden Pflanzen übersehen, weil sie zu klein sind oder eben erst später austreiben. Zum anderen ist noch keimfähiges Samenpotential im Boden.

Die bisherigen Maschinenmahdflächen wurden im Frühjahr und im Herbst 2018 wiederum zusätzlich gemäht, um die Stauden weiter zu schwächen und ein Aussamen zu verhindern.

In Fortführung des seit 2012 durchgeführten Fördermittelprojektes „Neophytenbekämpfung im Raum Oelsen“ unter Trägerschaft des Landesverein Sächsischer Heimatschutz e. V. wurden 2019 durch die Agrarproduktivgenossenschaft „Weideland“, Bad Gottleuba und die Beschäftigungsgesellschaft Pirna e.V. im Grünland um Oelsen folgende Maßnahmen zur Bekämpfung des invasiven Neophyten Lupinus polyphyllus umgesetzt: mehrschürige Maschinelle Mahd und selektive manuelle Bekämpfung mit Ampferstechern.

Projektgebiet sind Teile des NSG bzw. des gleichnamigen FFH-Gebietes „Mittelgebirgslandschaft um Oelsen“ (042E) im östlichen Osterzgebirge an der Grenze zur Tschechischen Republik. Für jede der ursprünglich drei Maßnahme-Varianten wurden bereits 2012 Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet und seitdem jährlich erhoben. Für alle Behandlungsvarianten wurde bis 2018 eine Reduktion sowohl der Anzahl der Triebe als auch des Deckungsgrades von Lupinus polyphyllusum über 90% erzielt, die Samenproduktion im Gebiet damit weitestgehend verhindert und eine sichtbare Schwächung der Vitalität der vorhandenen Bestände erreicht. Die Erfolgsrate in der Variante maschinelle Mahd sank 2019 aufgrund des verminderten Nutzungsdruckes jedoch auf nur noch 76%.

Ab 2018 wurde auf den Flächen mit geringer Besatzdichte, auf denen L. polyphyllus bisher mittels motormanueller Mahd bekämpft wurde, das manuelle Ausstechen mittels Ampferstecher praktiziert. Dieses, obgleich sehr arbeitsintensive, Verfahren verspricht nachhaltige Erfolge und damit verbunden eine zukünftige Kostensenkung. Langfristig bleibt es unbedingt notwendig, eine präventive kontinuierliche Beobachtung der Bestände sowie eine operativ arbeitende selektive Bekämpfung (im Idealfall Ampferstecher) der Stauden-Lupine im NSG Oelsen als festen Bestandteil einer naturschutzgerechten Landschaftspflege zu etablieren.

Das Projekt konnte mit Unterstützung des Freistaates Sachsen und mit Mitteln der Europäischen Union umgesetzt werden. Zuständig für die Durchführung der ELER-Förderung im Freistaat Sachsen ist das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Referat Förderstrategie, ELER-Verwaltungsbehörde.

Signet - Europäischer Landesfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes