Heimische Pflanzen und Tiere brauchen Schutz

Dem Erhalt der Biodiversität kommt im internationalen Rahmen höchste Bedeutung zu, vergleichbar etwa mit der Rolle des Klimaschutzes. Dafür sind als eine Rahmenbedingung naturschutzgerechte Strukturen notwendig. Mit unserer ehrenamtlichen Arbeit setzen wir uns für den Erhalt der Biodiversität ein und unterstützen dabei die fachliche Naturschutzarbeit des Freistaates und stehen in engem und konstruktiven Austausch mit den verschiedenen Ämtern.

Bekämpfung der Lupine im östlichen Osterzgebirge

Das Projekt konnte mit Unterstützung des Freistaates Sachsen und mit Mitteln der Europäischen Union umgesetzt werden. Zuständig für die Durchführung der ELER-Förderung im Freistaat Sachsen ist das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Referat Förderstrategie, ELER-Verwaltungsbehörde.
 
Signet - Europäischer Landesfond für die Entwicklung des ländlichen Raumes
 
Von 2012-15 realisierte der Landesverein Sächsischer Heimatschutz das  Fördermittelprojekt „Neophytenbekämpfung im Raum Oelsen“, in welchem die Agrarproduktivgenossenschaft „Weideland“, Bad Gottleuba und die Beschäftigungsgesellschaft Pirna e.V. im Grünland um Oelsen folgende Maßnahmen zur Bekämpfung des invasiven Neophyten Lupinus polyphyllus umsetzten: Maschinelle Mahd, selektive Handmahd und selektive Glyphosatbehandlung. Die Mahd erfolgte jeweils in Form von zwei zusätzlichen Durchgängen im Frühjahr und im Herbst, die Herbizidanwendung  je einmalig im Frühjahr und im Herbst. In den Händen von Frau Claudia Walczak lag das begleitende Monitoring in Form floristischer Erfassungen zur Überprüfung der Effektivität der Bekämpfungsmaßnahmen und die Darstellung der Ergebnisse in einem Abschlussbericht. Projektgebiet sind Teile des NSG bzw. des gleichnamigen FFH-Gebietes „Mittelgebirgslandschaft um Oelsen“ (042E) im östlichen Osterzgebirge an der Grenze zur Tschechischen Republik. Für jede der drei Maßnahme-Varianten wurden 2012 Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet und seitdem jährlich erhoben. Für alle Behandlungsvarianten konnte Ende 2015 eine Reduktion sowohl der Anzahl der Triebe als auch des Deckungsgrades von Lupinus polyphyllus um über 90% erzielt, die Samenproduktion im Gebiet damit weitestgehend verhindert und eine sichtbare Schwächung der Vitalität der vorhandenen Bestände erreicht werden. Die höchste Erfolgsrate hinsichtlich der Reduktion der Anzahl vorhandener Lupinen wurde in der Variante Glyphosatbehandlung erreicht. In mehreren Dauerflächen lag die Erfolgsquote bei 100%. Erstmals wurde in der Variante selektive Handmahd in einer der acht Dauerflächen ein 100%iger Ausfall von Lupinus polyphyllus beobachtet. Veränderungen in der Zusammensetzung der Begleitvegetation zeigen sich zum einen in günstigen Entwicklungstendenzen in den beiden selektiven Behandlungsvarianten. Zum anderen zeichnen sich in der Variante maschinelle Mahd neben positiven Entwicklungen auch zunehmend ungünstige Einflüsse des hohen Nutzungsdruckes ab. Erkennbare oder gar anhaltende Schäden durch die Glyphosatbehandlung wurden bisher nicht beobachtet.

In den Jahren 2016 und 2017 setzten wir die Bekämpfung mit Mitteln der Richtlinie „Natürliches Erbe“ 2014 des Freistaates Sachsen in veränderter Form fort. Dabei wurde die selektive Glyphosatapplikation aus ökologischen Gründen durch die selektive Handmahd ersetzt und es gab nur noch eine zusätzliche Maschinen- oder Handmahd jeweils im Frühjahr und Herbst.

Im Boden sind immer noch Diasporen vorhanden, die dort teilweise bis zu 50 Jahre überdauern und keimfähig bleiben können. (STOH 2005; STRAFINGER & KOWARIK 2011). Lupine treibt fortlaufend im Jahr aus, bei selektiver Bekämpfung können Pflanzen übersehen werden, d.h., wenn die Bekämpfungsmaßnahmen ab 2018 abrupt enden, können wieder Pflanzen zur Blüte und Samenreife gelangen, Diasporen im Boden angehäuft werden.

Für das Jahr 2018 hat der Landesverein erneut erfolgreich einen Fördermittelantrag über die Richtlinie Natürliches Erbe mit einer weiteren Modifizierung gestellt. Die APG „Weideland“ brachte auf allen bisherigen selektiven Handmahdflächen (ca. 15 ha) ein neues Verfahren – das Ausstechen der Lupinenstauden mit einem Ampferstecher aus dem Öko-Landbau – zur Anwendung. Hierbei kommt es darauf an, die gesamte, sehr lange Hauptwurzel der Lupine komplett zu entfernen, um so ein erneutes Austreiben endgültig zu unterbinden, sofern bei einem Durchgang möglichst alle Alt- und Jungpflanzen der Stauden-Lupine auf einer Wiese gefunden und gezogen werden. Das Versuchsergebnis mit dieser Methode aus dem Jahr 2016 auf kleinen Teilflächen konnte anlässlich einer gemeinsamen Begehung aller Akteure am 7. September 2017 als vielversprechend bewertet werden.

Das Ausstechen mit Ampferstecher war für den Bewirtschafter ein Kraftakt. Das Grundproblem auch bei dieser Methode besteht zum einen darin, dass die Lupinen zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr keimen und wachsen, d. h., egal ob man im Frühjahr aussticht, wenn das Gras noch niedrig ist und die Pflanzen gut zu sehen sind, damit sie nicht zur Blüte bzw. zum Fruchten kommen oder im Herbst, es werden Pflanzen übersehen, weil sie zu klein sind oder eben erst später austreiben. Zum anderen ist noch keimfähiges Samenpotential im Boden.

Die bisherigen Maschinenmahdflächen wurden im Frühjahr und im Herbst wiederum zusätzlich gemäht, um die Stauden weiter zu schwächen und ein Aussamen zu verhindern.

Mit größerer Genauigkeit können wir erst im nächsten Frühjahr feststellen, wie erfolgreich das Ausstechen war. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Ampferstecherflächen dieses Jahres im Jahr 2019 erneut abgesucht und weiter bearbeitet werden müssen. Wir hoffen natürlich, dass sich die Befallsstärken verringert haben werden. Davon wird auch abhängen, ob erste Maschinenmahdflächen in das neue Verfahren einbezogen werden können.

Für die Zukunft ist zu erwarten, dass eine präventive kontinuierliche Beobachtung der Bestände sowie ggf. eine selektive Bekämpfung der Stauden-Lupine im NSG Oelsen ein fester Bestandteil einer naturschutzgerechten Pflege sein wird, um einem erneuten Massenaufkommen vorzubeugen. Dabei wird perspektivisch die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Hilfe durch unsere Vereinsmitglieder unverzichtbar sein.

Bergwiesen im Osterzgebirge

Bergwiese im ZechengrundDie Wiederherstellung und Pflege des Artenreichtums auf den Bergwiesen im Osterzgebirge sind seit 2003 Gegenstand mehrerer Projekte, die von uns gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz (Bonn), dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft finanziert werden. Die wichtigsten Ziele sind die Erprobung und wissenschaftliche Dokumentation von Verfahren, mit denen artenreiche Bergwiesen mit ihren typischen Pflanzengesellschaften aus vorhandenem Intensivgrünland regeneriert und ausgebreitet werden können. Die praktizierte enge Verknüpfung von wissenschaftlicher und praktischer Arbeit trägt wesentlich zum Erfolg des Vorhabens bei. Hierfür steht das Entwicklung & Erforschungsprojekt Grünlandbiotope.

 

Nachhaltiger Hochwasser- und Naturschutz

In den Jahren nach dem Hochwasser 2002 wurde in Sachsen ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderter breiter Projektverbund ins Leben gerufen, der durch verschiedenste Projekte Hochwasser- und Naturschutz verbinden sollte. In Kooperation mit der Technischen Universität Dresden, der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen und dem Staatsbetrieb Sachsenforst wurden Maßnahmen geplant, um die Wälder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz so zu entwickeln, dass sie die besondere Hochwasserschutz- und Naturschutzfunktion erfüllen können. So wurden naturnahe Auen erhalten, bzw. neu gestaltet und naturschutzverträgliche Waldmehrung in ausgeräumten Agrarlandschaften gefördert. Seither wird kontinuierlich an dem Umbau der Wälder gearbeitet.

Weitere Informationen: Faltblatt der DBU     Kennblatt

Dies sind drei Projekte des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V., die wir Ihnen nach und nach im Detail vorstellen möchten.

Mitmachen

Über unsere interaktive Karte finden Sie unsere Orts- und Regionalgruppen in Ihrer Nähe. Hier können Sie sich einbringen.