Der Heimat wieder eine Heimat geben

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Zum Artikel:  NEUE HEIMAT von Matthias Koch in der Sonntagsbeilage vom 17./18. Februar 2018 in der DNN

Leserbrief an die DNN am 28.02.2018
 
Der aktuelle Anlass, dass in einem Bundesministerium künftig auch Heimatfragen eine Rolle spielen sollen, führt einmal mehr zu irritierenden Kommentaren zum Heimatbegriff. Generationen übergreifend halten wir Deutschen die Heimatverbundenheit für stark ausgeprägt, obwohl zwei Diktaturen im 20. Jahrhundert auch missbräuchlich mit dem Begriff umgingen und gar in den vergangenen 10 Jahren extreme Kräfte den Heimatbegriff erneut mit rassistischem Hintergrund diskreditiert haben.
 
Die Mitglieder von Sachsens ältestem Natur- und Heimatverein, des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V. (gegründet 1908) haben seit 1990, dem Zeitpunkt der Wiederzulassung unserer über Jahrzehnte verdienstvollen Vereinsarbeit, stets dafür geworben, diesen durch die oben benannten Umstände ins Zwielicht geratenen Begriff auf seine geschichtlichen Wurzeln und die hohe gesellschaftliche Bedeutung einer objektiven Heimatverbundenheit zu achten. Dass es journalistische Beiträge gibt, welche die begrüßenswerte Chance, Heimatbegriff und -gefühl unvorbelastet und zukunftsbezogen zu reflektieren, nicht ergreifen, sondern Fragen zur Heimat in billiger Effekthascherei lächerlich machen, muss man im Sinne der Meinungsfreiheit akzeptieren. Aber tolerieren kann man einen solchen Versuch nicht, die Frage nach Heimat als Heimattümelei und Gartenzwergidylle abzutun.
 
Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit unseres vor 110 Jahren gegründeten Vereins stehen ehrenamtliche Initiativen, auf das kulturelle Erbe unserer Geschichte zu achten, es zu erhalten und zu schützen. Ein Erbe, das wir vorrangig in Belangen des Denkmalschutzes, des Natur- und Landschaftsschutzes oder der Volkskunst sehen. Vor diesem Hintergrund leistet der Landesverein Beiträge zur Bewahrung noch vorhandener Reichtümer der Natur und von Zeugnissen der Baukunst, der Volkskunde u. ä. Wir bieten vielen engagierten Bürgern eine Plattform zu aktiver Teilnahme, das Erbe der sächsischen Kulturlandschaften zu erhalten und es der jungen Generation zu erklären; denn ein Land oder eine Region aus welchem die Denkmale aus Natur und Baukunst verschwinden, ist wie ein Mensch ohne Gedächtnis! So verstehen wir Heimatschutz nicht im Sinne einer Abschottung, sondern im europäischen Geist als einen Beitrag zur Bereicherung. Heimatverbundenheit und Weltoffenheit gehören zusammen.
 
Wir wünschen uns daher, dass der Jahrhunderte alte Heimatbegriff in seiner konkreten Bedeutung als Symbol für die eigene Herkunft, für Wertevermittlung und für sorgsamen Umgang mit kulturellen Traditionen nicht erneut ideologisch verbrämten Argumentationen überlassen wird, sondern dass die Unver­wechselbarkeit der individuellen Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln mit dem Heimatbegriff verbunden bleibt und seine identifikationsstiftende Wirkung nicht durch beliebige Interpretationen verloren geht. Auch Medien ist ein kompetenterer Umgang mit dieser Materie zu wünschen.
 
Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V.
für den Vorstand
 
Prof. Dr. Hans-Jürgen Hardtke                 Prof. Dr. Karl Mannsfeld
Vorsitzender                                               stellvertretender Vorsitzender

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