bisherige Jahrestreffen

Die Jahrestreffen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz sind immer ein Erlebnis. Hier treffen sich Mitglieder und Heimatfreunde, um die Mitgliederversammlung abzuhalten und sich über die Aktivitäten des Vereins auszutauschen, aber auch um die Umgebung des Tagungsgortes unter fachkundiger Führung zu erkunden.  Weitere Berichte über die Treffen finden Sie in den jeweils genannten Mitteilungen des Landesvereins.

> Jahrestreffen in Bad Muskau 2021

Bericht von der Jahreshauptversammlung

Blick auf den Park Bad Muskau Am Wochenende von 23. bis 25. Juli 2021 kamen Mitglieder des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz zum Jahrestreffen 2021 in Bad Muskau zusammen. Die Hauptversammlung tagte am Sonnabend im wunderbar wiederhergestellten Schloss. Die Hauptversammlung wurde begleitet vom Präsidenten des Sächsischen Landtags Dr. Matthias Rößler und dem Staatsminister Wolfram Günther (Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft) – beide sind Mitglieder des Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V.

Es wurde über die Arbeit im zurückliegendem Jahr berichtet und Vorhaben für die Zukunft vorgestellt, dazu gehören Projekte in der Lommatzscher Pflege, Themen wie „Landschaftswandel und Landnutzung in Sachsen“ – dazu wird am 18. September 2021 in Malschwitz eine Tagung stattfinden, Vorhaben in der Denkmalpflege wie die Mitwirkung bei einem Denkmalnetz für Sachsen oder bei den Vorbereitungen für ein Freilichtmuseum in Sachsens Mitte (nahe Wilsdruff), Projekte im Naturschutz – hier besonders Vorhaben die die eigenen Flächen an Naturschutzgebieten zum Beispiel im Osterzgebirge, in der Großenhainer Pflege und in der Lausitz betreffen. Am Nachmittag folgten zwei hochinteressante Vorträge: „An der Spree und Lausitzer Neiße: ein deutsch-polnisches Projekt ′1000 Jahre Oberlausitz′ und seine vorläufigen Ergebnisse“ und „Naturschutz im Lausitzer Seenland“.

Insgesamt waren am Wochenende über 130 Teilnehmer mit dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz unterwegs.

Tagebau Nochten

Die Exkursionen am Freitag, Sonnabendnachmittag und am Sonntag führten in den Schlosspark Bad Muskau, in den Rhododendronpark Kromlau, in den Berg-und Badepark Bad Muskau, in das Glasmuseum von Weißwasser sowie in das Lausitzer Seenland und zu archäologischen Ausgrabungen an der Tagebaukante von Kromlauer ParkNochten sowie in den Pücklerpark von Branitz und in den Brühlschen Park von Brody (Pförten). Brody ist ein Ort in der östlichen Niederlausitz im Powiat Żarski der Woiwodschaft Lebus in Polen.
 
Die Fotos stammen von Jürgen Dittrich, Freital und Bettina Kempe-Gebert, Dresden.
 
  • Vom Bergpark hat man schöne Ausblicke auf Schloss und Schlosspark Muskau
  • Im Kromlauer Park
  • Im Tagebau Nochten rückt der Bagger den Archäologen immer näher

 

> Jahrestreffen in Belgern 2019

Mehr zum Jahrestreffen in Belgern können Sie im Doppelheft 2 und 3/2019 der Mitteilungen des Landesvereins nachlesen.

Bericht von der Jahreshauptversammlung im Schützenhaus Belgern am Sonnabend, 4. Mai 2019

So mancher hat wohl erst einmal auf der Landkarte nachschauen müssen, wo denn die kleine Stadt Belgern eigentlich liegt. Dann aber war er sicherlich begeistert, als er hier zur Jahreshauptversammlung anreiste und eine Stadt mit langer Geschichte, interessanten Denkmalen und vielen engagierten offenen Menschen kennenlernte. Einige kamen schon am Vortage und sahen sich um, bewunderten dabei den einzigen steinernen Roland Sachsens und zugleich den südlichsten und mit sechs Metern Höhe einen der größten.

In ihren Begrüßungsworten berichtete die Bürgermeisterin, Frau Eike Petzold, leidenschaftlich von ihrer Stadt, die da auf einer Hochfläche zwischen Dahlener Heide und der Elbaue liegt. Belgern wurde schon 973 erstmalig urkundlich erwähnt. Der Elbübergang im Schutze einer heute verschwundenen Burg machte diesen Ort einst so bedeutsam in den Auseinandersetzungen mit dem Polenherzog Bolesław Chrobry. Ein 1258 errichteter Wirtschaftshof der Zisterzienser vom Kloster Buch hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des Ortes, vor allem auf den Gebieten des Acker und Weinbaues und des Bierbrauens. Das Aufblühen des Städtchens fand mit dem Dreißigjährigen Krieg ein jähes Ende: Von den zusammen zwanzigtausend Einwohnern vor 1618 blieben 1648 nur noch sieben Ehepaare! Es hat lange gedauert, ehe sich die Stadt davon wieder erholt hatte. Ein großer Sprung in der Geschichte und wieder ein wichtiger Einschnitt in der Geschichte der Stadt: 2013 vereinigten sich die Rolandstadt Belgern und die Gneisenau-Stadt Schildau, jeweils unter Preisgabe ihres Beinamens. Gemeinsam  wollen die beiden Kommunen damit eine wirtschaftliche Stärkung erreichen und den Lebenswert für ihre Bürger steigern. Heute leben in diesem Gemeinwesen etwa achttausend Einwohner auf 158,3 Quadratkilometern; das entspricht nur 52 Einwohnern je Quadratkilometer. In Belgern-Schildau sind 22 Ortsteile integriert. Mit Enthusiasmus wird versucht Kleinbetriebe anzusiedeln oder zu fördern, die Stadtsanierung und die Vereinsarbeit voranzubringen. So spielte uns der Rolandstädter Blasmusikverein mit erfreulich hohem Jugendanteil zur Begrüßung auf. Im Vereinsleben kommt auch der Sport nicht zu kurz. Der Tourismus lebt erheblich vom vielbefahrenen Elberadweg und der  ausgedehnten Dahlener Heide.

Der Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler, der als unser Vereinsmitglied sich Zeit für die gesamte Jahreshauptversammlung genommen hatte, stellte sein leidenschaftliches Grußwort unter das Thema «Heimat».

Dr. Thomas Westphalen

Dr. Thomas Westphalen wurde am 30. Juni 2018 bei einer Vorstandssitzung auf der Bosel zum Nachfolger von Professor Dr. Hans-Jürgen Hardtke gewählt. Hans-Jürgen Hardtke übernahm das Amt eines Stellvertreters und zugleich die Leitung der Arbeitsgruppe Eigentum. So gab Thomas Westphalen nun den Tätigkeitsbericht des Vorstandes ab. Zunächst stellte er die Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes unter Nennung ihrer Fachbereiche und Aufgabengebiete vor. Ein erster Schwerpunkt widmete sich dem Fachbereich Naturschutz.  gegenwärtig sind 2700 ha Wiesen, Wald und Teiche im Eigentum des Landesvereins. Im Rahmen der Gutachtertätigkeit waren 133 Vorgänge zu bearbeiten, wofür Herrn Thomas Gensch und seinen Zuarbeitern großer Dank gebührt. Weitere Themen der monatlichen Zusammenkünfte waren die fachliche Weiterbildung, Überlegungen zur Zukunft der Landesarbeitsgemeinschaft der anerkannten Naturschutzvereine. Auch die Arbeitsgruppe sächsische Botaniker berichtete. Die Gründung der Naturschutzstation Osterzgebirge wurde begleitet, ebenso wie der Aufbau der dazugehörigen Außenstelle des Landesvereins in Hartmannsbach; Gespräche wurden mit der Beschäftigungsgesellschaft e.V. und der APG Weideland geführt, beide betreuen und pflegen im Osterzgebirge unsere Bergwiesen. In den Sitzungen ging es auch um unsere Wälder, von den Erlösen aus deren Umbau konnten bisher Rücklagen gebildet werden, die zum Beispiel auch für die Beseitigung von Schäden und für Pflegemaßnahmen genutzt werden konnten. Nun aber sind die Holzpreise drastisch im Sinken. Für unsere Waldflächen in Ostsachsen und im Osterzgebirge gibt es mittlerweile jeweils eine wirtschaftliche Forsteinrichtung. Das steht bei anderen Eigentumsgebieten noch an. Neue Beschilderungen im Seifersdorfer Tal weisen auf uns als Eigentümer und unsere Anliegen hin.

Pflegemaßnahmen gab es im Zechengrund, auf den Hermannsdorfer Wiesen, im Ketzerbachtal, auf dem Schutzacker Schwochau, dem Zimtberg bei Mertitz wie auch im Polenztal. – Aber nicht allein diese Pflegemaßnahmen machen Arbeit. Dr. Westphalen nannte auch eine Reihe schwerwiegender Probleme: Da erfolgt zunehmend Holzdiebstahl in unseren Wäldern. Da scheren sich Anlieger einen Dreck (im wahrsten Sinn des Wortes) um anrainende Schutzgebiete und gehen bedrohend gegen Betreuer vor. Mehrmals musste eine im Kerngebiet des Naturschutzgebietes Teichgebiet Niederspree illegal aufgestellte Fotokanzel entfernt werden. Von der Streuobstwiese am Ziegenbusch wurden tonnenweise Äpfel gestohlen…

Weitere Probleme gibt es witterungsbedingt in den Wäldern, auf den Bergwiesen durch das Vordringen der Lupine, im Gebiet der Molkebornteiche bei Stölpchen, dem einzigen Bestand der Wassernuss, ist Koi-Herpes-Virus aufgetreten, der den Fischbestand bedroht.

Die Biber bringen mit ihren Bauten Schäden für die Regulierbarkeit der Teiche. Sie können nur dort geduldet werden, wo die Teiche nicht bewirtschaftet werden. Jagd- und Teichpachtverträge wurden verlängert. Die Restaurierung des Denkmals für die Gräfin Zinzendorf auf der Gauernitzer Elbinsel wurde in Auftrag gegeben und soll in diesem Jahr noch abgeschlossen werden. Dafür gingen viele Spenden ein. Auf der Bosel konnten angrenzend an den dortigen Botanischen Garten etwa 900 Quadratmeter Land gekauft werden. So ist es möglich, den Garten verschattende Bäume zu fällen wie auch einen Rest der bronzezeitlichen Wallanlage zu schützen. Nur durch diese Maßnahme kann die besondere wärmeliebende natürliche Vegetation auf der Bosel bewahrt werden. All diese umfangreichen Arbeiten in unserem Eigentum könnten ohne die gewissenhafte Begleitung und das hohe Engagement von Astrid Sturm in der Geschäftsstelle nicht geleistet werden. Auch dafür herzlich Dank.

Große Leistungen wurden unter der verdienstvollen Leitung von Rudolf Schröder und Siegfried Sommer bei den Parkseminaren erbracht, wie etwa 2018 in Kromlau. Erfreulich ist, dass es in Rötha einen Verein gibt, der die Pflegemaßnahmen nun schon seit einigen Jahren übernimmt und auch weiterhin Parkseminare durchführt.

Der Fachbereich Denkmalpflege beschäftigte sich mit unseren drei Immobilien. Dabei ist bei der «Kleenen Schänke» in Cunewalde ein guter Fortgang nicht nur bei der Sanierung zu vermelden. Die neue Pächterin Carola Arnold, die wir zum Jahrestreffen in Cunewalde kennengelernt haben, führt mit Koch- und Kulturwerkstatt ein gut gehendes Unternehmen und legt dafür regelmäßig einen abwechslungsreichen Veranstaltungskalender vor. Sorgen macht das ehemalige Wanderheim Heinersgrün, wo uns nach wie vor die finanziellen Möglichkeiten und die örtliche Unterstützung fehlen. Das Fachwerkhaus Sebnitz ist vom Äußeren her ein Schmuckstück. Auch der  Innenausbau ist dank wohlwollender Förderung gut vorangeschritten. Für das Innere ist es nötig, Gestaltungsmöglichkeiten zu finden, die einem Nutzungskonzept entsprechen (neben dem leidigen Thema der Finanzierung).

Auch in diesem Fachbereich gibt es über die Mühen der Eigentumsbetreuung hinaus viele weitere Aktivitäten. Es gilt, Gutachten zu erstellen und die Heimattage in Freiberg zu gestalten. 2018 war dafür das Thema «Verkehrswege» gewählt worden. Am Europäischen Kulturerbe-Jahr beteiligte sich der Landesverein mit einem Projekt unter dem Motto «Frühling, Sommer, Herbst und Winter – Europas kulturelles Erbe in Sachsen im Wandel der Jahreszeiten».

Die vier regionalen Veranstaltungen fanden in Nebelschütz, Plauen, Meißen und Annaberg-Buchholz statt. Außerdem entstand eine Dokumentation der Veranstaltungen in Form einer umfangreichen Publikation. Das Gesamtprojekt wurde von der Kulturstiftung des Freistaates unterstützt und im Wesentlichen von Dr. Hans-Joachim Jäger, Barbara Ditze und Susanna Sommer gestaltet.

Der Landesverein organisiert 2019 im Auftrag des Sächsisches Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft zum wiederholten Male den Sächsischen Landeswettbewerb Ländliches Bauen und erstmals im Verbund mit dem Sächsisches Staatsministerium für Kultus den Sächsischen Landespreis für Heimatforschung, bis 2018 waren wir ausschließlich in der Jury für den Landespreis tätig. Zum Tag des offenen Denkmals 2018 galt die Einladung für Sebnitz und Langebrück. Zu nennen wären weiter:

  • die Organisation des Kunstmarktes in Langebrück,
  • die Beteiligung am Geschichtsmarkt in Dresden und
  • bei der Denkmalmesse in Leipzig;
  • die Anregungen an den Freistaat Sachsen, sich verstärkt um Freilichtmuseen im ländlichen Raum sowie um Bergelager für gefährdete Kulturgüter aus zum Abbruch freigegebenen Denkmalen zu bemühen,
  • das Engagement der Mitglieder der AG Dorfentwicklung ein Freilichtmuseum im Wilsdruffer Land in der Mitte Sachsens zu schaffen, um gefährdete Volksbauweise zu erhalten und für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Wie auch in den Regionalgruppen und der Fachgruppe Geologie werden im Fachbereich Denkmalschutz, auch mit seinen AG Dorfentwicklung und AG Industriekultur, Vorträge und Exkursionen angeboten, zum Beispiel die gefragten «Heimatkundlichen Busexkursionen», von denen eine, «Auf den Spuren des Thietmar von Merseburg», aus Jubiläumsgründen besonders genannt wurde. Gern werden die Mitteilungshefte und der Kalender angeschaut und gelesen – aber wie viel Arbeit steckt auch darin!  Vieles von diesen Aktivitäten wird von den Mitarbeitern der Geschäftsstelle organisiert. Dafür gilt allen unser herzlicher Dank. Einen Großteil der Arbeiten leisten Ehrenamtliche. Ihr Einsatz lässt unseren Verein leben!

Wir freuen uns denn auch über öffentliche Anerkennung für ehrenamtliche Tätigkeit, wie zum Beispiel die Verleihung des Verdienstordens des Freistaates Sachsen an Professor Dr. Karl Mannsfeld. Herzlichen Glückwunsch!

Dr. Hans-Joachim Jäger wurde während der Jahrestagung mit der Ehrenmitgliedschaft im Landesverein gewürdigt und damit wurde ihm gedankt für seine vielfältigen Einsätze im geschäftsführenden Vorstand, im FB Denkmalpflege, um das Fachwerkhaus Sebnitz, um die Gestaltung der Heimattage in Freiberg und vieles andere mehr. Diesen vielfältigen und dabei sicher nicht vollständigen Berichten über die Aktivitäten in so unterschiedlichen Bereichen zur Bewahrung und Gestaltung unserer Heimat folgten mit dem Kassenbericht die nachdenklich stimmenden Worte unseres Schatzmeisters Harald Worms. Er sprach von einer «angespannten Lage» und stellte die schmerzende Frage, ob wir künftig das bisherige Aufgabenspektrum so beibehalten können. Daher ist es extrem wichtig, neue und möglichst auch jüngere Mitglieder zu gewinnen (übrigens eine dringende Bitte: Viel Aufwand wird erspart, wenn die Mitgliedsbeiträge pünktlich und gleich auf das dafür vorgesehene Konto überwiesen werden).

Dankbar sind wir für die vielen Spenden für besondere Objekte, genannt seien

  • Bosel,
  • Elbinsel Gauernitz,
  • Kleene Schänke Cunewalde,
  • Fachwerkhaus Sebnitz,
  • die Erzgebirgswiesen

und so weiter. Schenkungen und Testamente könnten eine weitere große Hilfe sein. Die nebenstehende Tabelle gibt Auskunft über die Jahresergebnisse 2018 und den Plan für 2019. Die Umstellung auf ein neues Buchführungssystem seit Anfang des Jahres 2019 soll der besseren Überschaubarkeit dienen. Ilona Schroeter trug den Kassenprüfungsbericht vor. So konnte der Haushaltsplan beschlossen und der Vorstand entlastet werden. Bemerkenswert war die lebhafte Diskussionsrunde danach. Darin ging es vor allem um die Öffentlichkeitswirksamkeit des Landesvereins, etwa bei Pressemitteilungen, um die Erhöhung des Bekanntheitsgrades und ob Logo und Name des Landesvereins in der heutigen Zeit inhaltlich und in der Form überholt sind oder gar missgedeutet werden können – hier gehen die Meinungen weit auseinander. Aber in der zur Verfügung stehenden Zeit konnte diese Thematik nicht abschließend beraten werden und so vertagte der Vorsitzende die weitere Diskussion dazu auf die Jahrestagung 2020. Erörtert wurde auch die Frage, was der Verein plant, um nicht von der Substanz leben zu müssen. Wo können Erträge gesteigert und Kosten gesenkt werden? Professor Dr. Lang, Bovenden, berichtete, dass in Göttingen die Naturschutzbeauftragten mit 125 regelmäßig erscheinenden Beiträgen jährlich in der Presse ihre Arbeit erfolgreich vorstellen konnten. Danach konnte der Tagungsleiter, Dr. Gerhart Pasch, wohl erstmals (!) ohne Zeitverzug diesen ersten Teil der Hauptversammlung abschließen. Nach der Mittagspause folgten drei Vorträge. Dr. Wolfgang Ender informierte über die reiche Ur- und Frühgeschichte der Stadt Belgern und ihres Umlandes. Dr. Heidrun Wozel erzählte vom Brauchtum, zum Beispiel dem «Bärenlöten» zur Fastnacht und dem, was hinter den Schildbürgern und ihren merkwürdigen «Streichen» steht (siehe Beitrag in diesem Heft). Sigrid Käseberg teilte bewegt ihre Sorgen und die ihres «Vereins für eine Heimat mit Zukunft » mit, im Zusammenhang mit den negativen Auswirkungen des sich stetig ausweitenden und rücksichtslosen Kiesabbaues in der Elbaue auf den Grundwasserstand und auf das Landschaftsbild schon in der Gegenwart.

Mit der Einladung zur nächsten Jahreshauptversammlung vom 8. bis zum 10.Mai 2020 im Neuen Schloss Muskau sowie zu einigen anderen Veranstaltungen wurde die Mitgliederversammlung beendet. Ein herzliches Dankeschön an Susanna Sommer und alle «dienstbaren Geister» im Hintergrund, an den Verkaufsständen, an die Referenten, an den Tagungsleiter. Es war wieder einmal schön!

Konrad Creutz

> Jahrestreffen in Borna 2018

mehr zum Jahrestreffen in Borna können Sie im Doppelheft 2/3 2018 der Mitteilungen des Landesvereins nachlesen.

Bericht von der Jahreshauptversammlung am 12. Mai 2018 im Stadtkulturhaus Borna

In diesem Jahr übernahm erstmalig Herr Professor Karl Mannsfeld die Moderation während der Jahreshauptversammlung, da Herr Dr. Gerhart Pasch aus persönlichen Gründen verhindert war. Zunächst wurden die verschiedenen Ehrengäste aus der Kommunal- und Landespolitik begrüßt. Danach bat Herr Professor Mannsfeld die Anwesenden, sich im ehrenden Gedenken an die verstorbenen Mitglieder zu erheben. In seiner Einleitung ging der Moderator auf die Besonderheit der Region ein, die viele Jahrzehnte vom Braunkohlenbergbau geprägt wurde und heute ein völlig neues Gesicht als Leipziger Neuseenland erhält. Mit dieser Einleitung eröffnete er die Reihe der Grußworte.

Als erstes sprach die Oberbürgermeisterin von Borna, Frau Simone Luedtke (Die Linke). Sie ging dabei auf verschiedene wichtige Ereignisse und Epochen in der Historie der Stadt ein, wobei sich erste Besiedlungsspuren auf eine Wasserburg des 9. Jahrhunderts und frühe städtische Siedlungsreste auf das 10. Jahrhundert zurückführen lassen. Die urkundliche im Stadtkulturhaus BornaErsterwähnung der Stadt selbst stammt erst von 1251. Zu einem der Wahrzeichen gehört neben dem auf der Einladung abgebildeten Reichstor die Kunigundenkirche, eine der am besten erhaltenen romanischen Backsteinkirchbauten des 12. Jahrhunderts in Sachsen. Die Stadt in der Wyharaue war jahrhundertelang durch Landwirtschaft und Handwerk geprägt. Schon seit etwa 1560 spielte die Feldgärtnerei eine wichtige Rolle. Berühmt wurde die Stadt wegen des Gurken- und Zwiebelanbaus, deshalb wird sie auch „Zwiebelborne“ genannt. Früh wurde in der Region mit dem Braunkohlenabbau begonnen, bereits um 1800 wurden erste Gebiete – noch direkt in der Stadt gelegen – abgebaut. 200 Jahre war die Braunkohlengewin­nung und -verwertung wesentlicher Dreh- und Angelpunkt der weiteren Entwicklung von Stadt und Region. Die Stationierung eines Kavallerieregiments im Jahr 1849 spielte in der Stadtentwicklung sowie im Alltag und in der Wirtschaft der Stadt eine wichtige Rolle. Die Spuren davon sind heute noch, unter anderem in der Alten Wache neben dem Rathaus, deutlich sichtbar. Das Gebiet südlich von Leipzig befindet sich noch immer in einem Image- und Strukturwandel hin zu einem Sport- und Freizeitgebiet mit zahlreichen Seen und Waldflächen – allein um Borna arbeiteten Ende der 1980er Jahre in den fünf Tagebauen und zehn angegliederten Betrieben und Kombinaten circa 30.000 Menschen.

Der Landtagsabgeordnete Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) bezog sich in seinem Grußwort ebenfalls auf den Wandel, den die Kulturlandschaft zwischen Leipzig und Chemnitz in den letzten einhundert Jahren durchlaufen hat. Dazu gehörte in Borna auch die Herausbildung als Verwaltungs- und Garnisonsstadt. Die Aufgabe der heutigen Politik bestehe gerade darin, das Alte und das Neue zu vereinen, wobei die Akteure auf der lokalen Ebene eine wichtige Rolle als Mittler spielen.

im Stadtkulturhaus BornaUnser Vereinsvorsitzender, Herr Professor Hans-Jürgen Hardtke stand anschließend – wie in jedem Jahr – vor der kaum zu lösenden Aufgabe, einen möglichst umfassenden Bericht zu den Aktivitäten des Landesvereins in den letzten 12 Monate vorzulegen ohne dabei die verschiedenen Fachbereiche und Regional- und Ortsgruppen zu vernachlässigen. So sind derzeit 1052 Personen Mitglied, wobei 49 neue Mitglieder begrüßt werden konnten. Als Dachverband für zahlreiche korporativ verbundene Vereine und Einrichtungen nimmt der Landesverein die Interessen von über 24.000 Menschen wahr. Um den Bekanntheitsgrad des Landesvereins weiter zu verbessern und damit auch attraktiv für Neumitglieder zu werden, wurden größere Anstrengungen in der Öffentlichkeitsarbeit unternommen. Dazu gehören neben den altbekannten und erfolgreichen Ausgaben der Mitteilungen und des Wochenkalenders Sächsische Heimat vor allem verschiedene Berichte in den Lokalausgaben der regionalen Medien und der stets aktualisierte Internetauftritt unseres Vereins.

Der Fachbereich Naturschutz und Landschaftsgestaltung trifft sich alle vier Wochen in den Räumen der Geschäftsstelle in Dresden. Hier werden die verschiedenen Vorträge und Weiterbildungen organisiert. Die Gutachtertätigkeit des Landesvereins ist einer der steten Arbeitsschwerpunkte. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 485 Stellungnahmen zu Bauvorhaben, Unterschutzstellungen und anders gearteten Planungen bearbeitet. Davon wurden 208 Vorhaben positiv bewertet, 80 abgelehnt und 197 mit Prüfaufträgen versehen. Darüber hinaus beschäftigte sich der Fachbereich vielfach auch mit Vorhaben der Eigentumspflege, so unter anderem mit der Bekämpfung der Lupinenbestände auf den Bergwiesen bei Oelsen. Im Verbund mit anderen anerkannten Naturschutzverbänden appellierte er wiederholt an die Regierung des Freistaates Sachsen den Artenschutz als wichtiges Ziel in der Umweltpolitik zu sehen. Besonders dramatisch sind beispielsweise die Entwicklungen bei der Birkhuhn-Population im Erzgebirge. Hierfür fordern die Akteure schnelle Maßnahmen zur Erhaltung des Lebensraums.

Der Fachbereich Denkmalpflege und Heimatgeschichte unter Leitung von Dr. Hans-Joachim Jäger und Dr. Gerhart Pasch veranstaltet in diesem Jahr in Kooperation mit dem Innenministerium, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und dem Landesamt für Denkmalpflege verschiedene Regionaltagungen anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018. Wichtig sind auch die jährlichen „Sächsischen Heimattage“ in Freiberg, 2017 war die Veranstaltung dem Thema „Alltagskultur im ländlichen Raum Sachsens um 1840“ gewidmet. Hervorhebenswert ist die Jahrestagung 2017 der Arbeitsgruppe Dorfentwicklung, die im Freilichtmuseum Eubabrunn stattfand. Im Ergebnis der Tagung wurde im Frühjahr dem Sächsischen Innenministerium das Positionspapier „Erhalt und Entwicklung von Freilichtmuseen und Bergestätten in Sachsen“ übergeben. Erstmals nach 1945 konnte der Landesverein wieder eine Bauberatungsstelle für ländliches Bauen und Wohnen eröffnen. Dies ist dem Zimmermann Kay Arnswald zu verdanken, der diese Beratungsstelle in Helbigsdorf (bei Wilsdruff) initiiert hat. Für den Landeswettbewerb „Ländliches Bauen“ 2017 war der Landesverein wiederum im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft der Organisator und hat auch in der Jury mitgearbeitet. Bei den Veranstaltungen haben sich inzwischen die Heimatkundlichen Radtouren in der Großenhainer und Lommatzscher Pflege als fester Veranstaltungspunkt etabliert. Sie werden in Kooperation mit dem Landesamt für Archäologie und der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen durchgeführt. Die verschiedenen ein- und mehrtätigen Heimatkundlichen Busexkursionen, auch bei den Regional- und Fachgruppen, erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Oftmals gibt es nur noch wenige freie Plätze bei den Angeboten.

Für die Eigentumsflächen des Landesvereins konnten zusätzliche ehrenamtliche Betreuer gewonnen werden, die als Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung stehen. Der Ankauf weiterer Flächen, beispielsweise auf der Bosel bei Meißen, ist in Vorbereitung. In der Arbeits­gruppe Eigentum wurde beschlossen, die Japdpachtverträge zu prüfen und die Pachtsumme gegebenenfalls zu erhöhen. Ein Arbeitsschwerpunkt liegt zudem bei den Verkehrs­sicherungsmaßnahmen. Weitere Investitionen und Sicherungsmaßnahmen waren in den drei dem Landesverein gehörenden Häusern in Cunewalde, Heinersgrün und Sebnitz notwendig. So wird in der „Kleenen Schänke“ in Cunewalde eine den heutigen Ansprüchen genügende Heizungs- und Lüftungsanlage eingebaut werden. Erst damit wird eine ganzjährige Nutzung der Gaststätte durch die Pächterin, Frau Carola Arnold, überhaupt möglich. Sie hat ein umfangreiches Jahresprogramm erarbeitet, das auch sehr gut angenommen wird.

Die zahlreichen Aktivitäten der verschiedenen Regionalgruppen konnten von Herrn Pro­fessor Hardtke nur auszugsweise und in Stichworten genannt werden, so von den Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaft sächsischen Botaniker, von der Eröffnung einer eigenen Heimatstube der Regionalgruppe Goldene Höhe, von den Exkursionen der Arbeits­gruppen Geologie sowie Botanik und Gartenkultur, von der Mitarbeit der Arbeitsgruppe Industriekultur an einer Dokumentation zur Geschichte der Bandweberei in Großröhrsdorf und im Kuratorium zur Vorbereitung der Landesausstellung 2020, den verschiedenen Heimattagen in Reichenbach/Vogtland und in Wilsdruff.

Zum Abschluss seines Berichtes warf der scheidende Vorsitzende noch einen persönlichen Rückblick auf die zurückliegenden Jahre, auf die Anfänge in der „Tonne“ in den Ruinen des Kurländer Palais, auf zahlreiche Veröffentlichungen, Initiativen und Veranstaltungsreihen. Er richtete dabei seinen besonderen Dank an Frau Sommer, Frau Sturm und Frau Karsch, die in diesem Jahr nach langjähriger Mitwirkung aus den Reihen des geschäftsführenden Vorstandes ausscheidet. Ganz besonders bedankte er sich bei seiner Ehefrau, ohne deren Verständnis und Mitwirkung er dies hohe Pensum für den Landesverein nicht hätte erbringen können. Sie alle erhielten von ihm einen Blumenstrauß als Zeichen seiner Wertschätzung.

Herr Harald Worms, der Schatzmeister des Landesvereins, stellte anschließend den Finanzbericht für das zurückliegende Jahr vor. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass für die satzungsgemäße Arbeit die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden – insbesondere bei letzteren führten zweckgebundene Aufrufe zu besonders erfreulichen Ergebnissen – nicht ausreichend sind. Durch die naturschutzgerechten Waldumbaumaß­nahmen konnten ebenso dringend benötigte Einnahmen wie aus den Verpachtungen von Land- und Teichflächen wie auch aus Jagdrechten gewonnen werden. Jedoch – Eigentum verpflichtet auch zur Erhaltung, Pflege und Sicherung ebenso wie zur naturschutzgerechte Entwicklung. Und auch dies verursacht Kosten.

Herr Worms sprach abschließend die Bitte aus, selbst aktiv die Arbeit in der Geschäftsstelle zu erleichtern, indem Adress- und Kontoänderungen bekanntgegeben und bei der Überweisung von Mitgliedsbeiträgen oder Spenden das jeweils richtige Konto des Landesvereins angegeben wird. Außerdem rief er auf zur aktiven Mitwirkung bei den alltäg­lichen Aufgaben in der Geschäfts- und Beratungsstelle.

Frau Mildred Wengler bestätigte als Kassenprüferin die ordnungsgemäße Führung aller Konten und die Nachvollziehbarkeit sämtlicher Buchungen. Die anwesenden Mitglieder stimmten dem Bericht des Vorstandes und dem Finanzbericht zu und entlasteten damit den Vorstand.

Unser Ehrenmitglied Peter Biele leitete in den Diskussionsteil über, in dem sich Anwesende kurz zu Wort melden konnten. Er sprach dabei mit dem Herzen des langjährigen Schrift­stellers und Schauspielers, indem er auf „Abenteuer in der deutschen Sprache der Gegenwart“ hinwies. (siehe Beitrag im vorliegenden Heft)

Ein nicht angekündigter Programmpunkt folgte. Herrn Professor Dr. Hans-Jürgen Hardtke wurde die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Die Laudatio hielt Herr Professor Dr. Karl Mannsfeld (siehe Beitrag im Heft). Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Im Frühtau zu Berge…“ bedankten sich alle Mitglieder beim Vorsitzenden.

Nach der Mittagspause erfolgte die satzungsgemäße Wahl des Gesamtvorstandes und der Kassenprüfer. Vom Vorsitzenden der Wahlkommission, Karlheinz Karsch, wurden alle Kanndidaten kurz vorgestellt. Nach Abschluss der Wahlhandlung zog sich die Wahlkommission zurück.

Nun konnten weitere Ehrungen überreicht werden.

Zunächst stellte Laudator Matthias Griebel Peter Mallwitz vor. Ihm wurde die Ehrennadel des Landesvereins verliehen. Der gelernte und studierte Maschinenbauer hatte sich über Jahrzehnte um die Denkmalpflege, Stadt- und Baugeschichte insbesondere zum Preußischen Viertel und der Königsstraße in Dresden verdient gemacht.

Die Ehrenmedaille wurde von Professor Karl Mannsfeld an Dr. Olaf Bastian, einem Mitglied der ersten Stunde 1990 und langjährigem Vorstandsmitglied verliehen. Dr. Bastian beschäftigt sich in zahlreichen Publikationen unter anderem mit dem Landschaftswandel und der Auseinandersetzung mit der Heimat, erinnert sei in diesem Zusammenhang an seinen Beitrag „Heimat heißt Zukunft- Gedanken zu Bedeutung und Wertewandel des Heimatbegriffes“ in der Festschrift 2008.

(Beide Laudationes werden in diesem Heft veröffentlicht.)

Anschließend folgten weitere Berichte und Fachvorträge:

Jürgen Dittrich stellte die Tätigkeit der Arbeitsgruppe Geologie, Mineralogie und Palä­ontologie – deren Vorsitz er inne hat – unterlegt mit eindrucksvollen Bildern von Besuchen in Oelsen, Altenberg, Schleema, Buchwald und anderen Orten vor. Es werden Exkursionen in verschiedene Regionen Sachsens angeboten, wobei auch das angrenzende Böhmen mit seinen vielfältigen Mineralien- und Gesteinsvorkommen einbezogen wird. Neben regelmäßigen Treffen und Vorträgen pflegt die Arbeitsgruppe Kontakt zu anderen lokalen und regionalen Vereinen und Einrichtungen. Zu den nächsten Arbeitszielen gehört eine engere Zusammenarbeit mit Schulen, indem geführte Fach-Ausflüge angeboten werden.

Kay Arnswald berichtete vom Wandel in Helbigsdorf, einem typischen Dorf im Wils­druffer Land. Dabei ging er auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen ein, die das Dorf seit dem Ende des 18. Jahrhunderts erlebt hat – beispielhaft für die ländlichen Räume in Sachsen. So kam es mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahre 1805 und des Schulgesetzes von 1835 zum Umbau des Armenhauses in eine Dorf­schule. Schließlich ging der Referent noch auf die Geschichte des Vierseithofes ein, in dem er zusammen mit zwei anderen Familien jetzt wohnt. Diese wurde ermöglicht, dadurch dass die einstigen Stallungen durch Umbau als Wohngebäude und die Scheune als Werkstatt genutzt werden kann. Ein Beispiel dafür, dass für einige junge Familien das Dorfleben bewusst Ziel und Zweck ist und dabei landwirtschaftliche Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt werden – oftmals auch unter Beachtung des Denkmalschutzes. Dieses Streben nach dem Leben auf dem Lande hat teilweise auch zur Folge, dass das Durchschnittsalter der Einwohner niedriger wird und das Dorfbilder bei Nutzung historischer Bausubstanz erhalten werden. Ebenso wirkt sich diese Entwicklung in mancher Hinsicht positiv auf die Erhaltung der Infrastruktur im ländlichen Raum aus.

Den letzten Vortrag an diesem Nachmittag hielt Herr Walter Christian Steinbach, heute Vorsitzender des Fördervereins zum Aufbau des Dokumentationszentrums Industrie Kulturlandschaft Mitteldeutschlands e.V. Er bezog sich dabei auf die Bergbauregion südlich von Leipzig und seine persönliche Mitwirkung in der Umweltbewegung seit 1968 in der Messestadt. Der Strukturwandel ist noch nicht abgeschlossen. Er wird bestimmt entweder durch noch aktiven Tagebau oder durch Umwandlung der devastierten Landschaft in ein vielfältiges Sport- und Freizeitareal. Diesem Wandel hat sich der 2015 gegründete Förderverein DokMitt verschrieben, der zu diesem Thema ein virtuelles Archiv mit Ton- und Bilddokumenten sowie Berichten der Betroffenen aufbauen möchte, dass auch angrenzende Regionen von Thüringen und Sachsen-Anhalt einschließen soll.

Zum Abschluss des offiziellen Teils der diesjährigen Hauptversammlung konnte Herr Professor Mannsfeld schließlich noch die Wahlergebnisse bekannt geben. Alle Kandidaten für den Gesamtvorstand waren mit großer Mehrheit gewählt wurden. Die Wahl wurde von den Vorstandsmitgliedern angenommen. Damit endete die äußerst informative und abwechs­lungsreiche Mitgliederversammlung und die Anwesenden konnten mit den verschiedenen Nachmittagsexkursionen Borna und die nähere Umgebung erkunden. 2019 wird die Jahreshauptversammlung in Belgern stattfinden, dieses Mal vom 3. bis 5. Mai – dazu wurden alle herzlich eingeladen.

Cornelia Müller

> Jahrestreffen in Cunewalde 2017

Zur diesjährigen Hauptversammlung waren die Mitglieder des Landesvereinsin die südliche Oberlausitz, nach Cunewalde eingeladen worden. Und so strömten viele von nah und fern in die «Blaue Kugel», ein beliebtes Veranstaltungshaus im Zentrum des Dorfes. Gleich im Eingangsbereich wurden unsere Mitglieder von den Musikanten und Sängerinnen um Herrn Petrich begrüßt – diese gute Stimmung verbreitende Aufgabe hatten die «Rutkatl» (Rotkehlchen) bereits 2012 in Niesky übernommen.

Die Versammlung wurde um 10 Uhr in bewährter Weise von Dr. Gerhart Pasch eröffnet – und bis 16 Uhr folgten vielfältige und höchst informative Beiträge über die verschiedensten Aktivitäten unseres Landesvereins. Dabei konnte es sich nur um Ausschnitte handeln, denn sonst hätten wir wohl bis zum folgenden Abend beisammen sitzen müssen. In seinen einleitenden Worten begrüßte Dr. Pasch die Ehrengäste, darunter den Ehrenvorsitzenden Matz Griebel und die anwesenden Ehrenmitglieder. Der verstorbenen Mitglieder – auch in diesem Jahr bildeten ihre Namen wieder eine traurig lange Liste – wurde in einer Schweigeminute gedacht.

Der 1. Stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Cunewalde, Hans-Jürgen Dittmann, hieß uns in Cunewalde willkommen und wünschte uns in den Vorträgen und Exkursionen viel Interessantes zu entdecken. Der Landtagspräsident, Dr. Matthias Rößler, war ebenfalls unserer Einladung gefolgt und widmete sich in seiner Ansprache dem Heimatbegriff und der sächsischen Identität. Diese Gedanken können Es spricht Prof. Dr. Hans-jürgen Hardtke, Vorsitzender des LandesvereinsSie auf den folgenden Seiten nachlesen. Carola Arnold, Mitglied unserer Regionalgruppe Cunewalder Tal und Pächterin der «Kleenen Schänke» im Ort, stellte die vielfältigen Aktivitäten der Gruppe vor, die sich im Umfeld unserer «Kleenen Schänke» entwickeln. Unser Vereinsvorsitzender, Professor Dr. Hans-Jürgen Hardtke, hatte einmal mehr die äußerst schwierige Aufgabe, in kurzer Zeit die Arbeitsergebnisse der zurückliegenden 12 Monate vorzustellen und auf die Pläne und Programme des vor uns liegenden Jahres einzugehen. Auch hier können dazu nur einige Stichworte genannt werden.

Mitgeteilt wurde, dass eine Reihe von Mitgliedern für ihre oft jahrelange ehrenamtliche Arbeit Auszeichnungen entgegennehmen konnten. So wurden Dr. Erich Kraus und seine Frau vom tschechischen Außenminister für ihre Arbeit im Sinne der deutsch-tschechischen Verständigung mit dem Preis «Gratias Agit» geehrt. Manfred Schober wurde zum Ehrenbürger von Sebnitz berufen. Diese hohe Ehrung wurde ihm zum Neujahresempfang der Großen Kreisstadt Sebnitz zuteil. Am 23. November wurde unserem Vereinsvorsitzenden, Professor Dr. habil. Hans-Jürgen Hardtke, der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. In unserer Geschäftsstelle auf der Wilsdruffer Straße in Dresden arbeiten neben einer Reihe von Mitarbeitern – fest oder geringfügig angestellt – Manfred Schober, Ehrenbürger von Sebnitz, trägt sich in das goldene Buch der Stadt einEhrenamtliche, die durch ihren Einsatz den reibungslosen Betrieb in der Bibliothek und in der Beratungsstelle ermöglichen, die Gutachtertätigkeit unterstützen und auch bei der Organisation der verschiedenen Wanderungen sowie Busexkursionen helfen – nicht zu vergessen die Öffentlichkeitsarbeit in den lokalen Printmedien, den eigenen Publikationen oder dem weltweiten Internet. Derzeit setzt sich der Landesverein aus etwas mehr als 1000 persönlichen Mitgliedern sowie 81 körperschaftlichen Mitgliedern zusammen. Da sich unter diesen mehrere große Vereine und Verbände befinden, vertritt der Landesverein heute über 20 000 Heimatschützer. Dabei wirken aus unseren Reihen seit vielen Jahren Mitglieder in mehr als 20 Beiräten und Fachgremien mit. Professor Hardtke wies auf die Notwendigkeit hin, die Altersstruktur unseres Vereins zu verjüngen.

Auch über die Strukturen und die Ausrichtung der Fachbereiche und landesweit arbeitenden Gruppierungen gilt es nachzudenken. Ein Angebot, das sowohl von Mitgliedern als auch von thematisch Interessierten außerhalb des Vereins sehr gern angenommen wird, ist inzwischen der Heimattag in Freiberg geworden. Er wird seit 2010 immer am ersten Oktoberwochenende – in diesem Jahr am 7. Oktober – vom Fachbereich unter Leitung von Dr. Hans-Joachim Jäger in Freiberg durchgeführt. Vom Fachbereich wird darüber hinaus ein reichhaltiges und gut genutztes Exkursionsprogramm angeboten.

Einen weiteren Arbeitsschwerpunkt bildet die Industriekultur. Damit beschäftigt sich eine eigenständige Arbeitsgruppe. Professor Hardtke berichtete über die gute Zusammenarbeit mit dem Museum Historisches Kalkwerk Borna. Dort wurde am 26. Mai während der Festveranstaltung «90 Jahre Industriegeschichte Borna» ein weiterer Ausstellungsteil eröffnet. Die Arbeitsgruppe Dorfentwicklung führte ihre alljährliche Jahrestagung in Hirschstein an der Elbe durch. Eine wichtige Aktion, die seit vielen Jahren auch unmittelbaren Einfluss auf die Öffentlichkeitsarbeit des gesamten Landesvereins hat, ist die maßgebliche Mitwirkung beim Sächsischen Landeswettbewerb «Ländliches Bauen» 2017, der aller zwei Jahre stattfindet.

Von der Arbeitsgruppe Eigentum werden in Rücksprache mit dem Vorstand und der Geschäftsstelle Angelegenheiten behandelt, die mit der Verwaltung unseres Grundbesitzes zu tun haben. Es werden Fragen beraten, wie beispielsweise die Verpachtung von Teichen und Jagdrechten, die naturschutzgerechte Pflege von Wald- und Wiesenflächen, die Wegesicherung, aber auch die Kennzeichnung unseres Eigentums durch Schilder. Besondere Umsicht erfordern Entscheidungen hinsichtlich der in unserem Besitz befindlichen Bauten, zum Beispiel weiterer Sanierungsmaßnahmen am Fachwerkhaus in Sebnitz. In der Gaststätte «Kleene Schänke» in Cunewalde wurden für zahlreiche Umbau- und Renovierungsmaßnahmen über mehrere Jahre etwa 49 000 Euro investiert. Mit der Pachtübernahme durch Carola Arnold erfolgte hier zum 1. Januar 2016 ein Neuanfang, der auch im Rahmen des Tages des offenen Umgebindehauses am 29.Mai mit einem Heimat- und Hoffest gefeiert wurde. Für diese besondere Initiative wurde Frau Arnold herzlich gedankt. Zum Abschluss verwies Professor Hardtke auf einige regionale Fachveranstaltungen, wie den III. Vogtländischen Heimattag im Pfaffengut in Plauen und die Veranstaltungen, die in der Heimatstube in der alten Schule in Goppeln (Ortsteil von Bannewitz) stattfinden. Für den Mai 2018 lud er uns zum nächsten Jahrestreffen nach Borna ein. Der im Programm erwähnte Beitrag von Jürgen Dittrich über die Aktivitäten der Fachgruppe Geologie, Mineralogie und Paläontologie musste aus Zeitgründen leider gestrichen werden.

Professor Dr. Karl Mannsfeld, der Vorsitzende des Sturmschäden an den Ullersdorfer Teichen (Landkreis Görlitz)Fachbereiches Naturschutz/ Landschaftsgestaltung, erinnerte in seinem Referat noch einmal daran, dass Eigentum auch stets Arbeit und Verantwortung bedeutet. Dies wurde zum Beispiel deutlich sichtbar bei der Behebung der erheblichen Schäden, die durch ein lokales Sturmereignis im Sommer 2016 an den Ullersdorfer Teichen entstanden waren. Ein wichtiges Arbeitsgebiet des Fachbereiches ist die Gutachtertätigkeit, die um das Team von Sandra Aschenbach und Professor Wilfried Wehner in der Geschäftsstelle fachlich versiert ausgeübt wird. Im Jahr 2016 fanden immerhin 63 % der vorgelegten Pläne die Zustimmung des Fachbereichs (davon 22 % mit Auflagen) und lediglich 15 % der Pläne wurden abgelehnt. Einen weiteren Schwerpunkt der Fachbereichsarbeit stellen die verschiedenen Bemühungen zur Bewahrung der biologischen Vielfalt dar. Dazu konnte im vergangenen Jahr eine einschlägige Broschüre publiziert und an viele Schulen in Sachsen verteilt werden. Sie wurde als wichtiger Beitrag innerhalb der UN-Dekade für die biologische Vielfalt von der deutschen Geschäftsstelle der UN-Dekade in Hürth ausgezeichnet. Dem «Baum- und Gehölzschutz in Sachsen» war eine Fachtagung der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt und des Fachbereiches Naturschutz gewidmet. Als deren Ergebnis wurde ein entsprechendes Positionspapier verabschiedet (vergleiche Mitteilungen 1/2017). Aktuell gibt es hohen Diskussionsbedarf zur Agrarpolitik in der Bundesrepublik und deshalb unterstützte der Landesverein die Bürgerinitiative Schloss Scharfenberg gegenüber der Staatsregierung eine naturgerechte Landbewirtschaftung einzufordern (siehe dazu Mitteilungen 1/2017).

Veranstaltungssaal in der Blauen Kugel in Cunewalde

Als nächstes folgten der Finanzbericht, den Harald Worms in seiner Funktion als Schatzmeister erstattete (siehe Darstellung auf Seite 81), sowie der Bericht der beiden Kassenprüfer Ilona Schroeter und Mildred Wengler. Darin wurde deutlich, dass zurückliegende buchhalterische Hinweise der Kassenprüfer bezüglich neuerer Software und über Vorschriften zum Umgang mit Bargeld durch die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle berücksichtigt wurden. Anschließend folgten die Bestätigung der Berichte und die Entlastung des Vorstandes. In der folgenden angeregten Diskussion wurde über Möglichkeiten der Mitgliedergewinnung in verschiedenen Lebensbereichen und auf die Ausbreitung der Vereinsarbeit in weitere Regionen Sachsens gesprochen. Außerdem wurde über verschiedene Veranstaltungen informiert.

Wie in der Einladung zur Hauptversammlung bereits angekündigt und schriftlich angemeldet, stand eine Reihe von Satzungsänderungen zur Beschlussfassung an. Dr. Johannes Just stellte die vorgesehenen Änderungen noch einmal kurz vor. Die Vorschläge zu Satzungsänderungen waren zuvor von einer Arbeitsgruppe des Vorstandes erarbeitet worden. Sie wurden von den stimmberechtigten Mitgliedern bei vier Enthaltungen mit großer Mehrheit angenommen.

Nach der Mittagspause wurden auch in diesem Jahr einzelne Mitglieder für ihr langjähriges, engagiertes und ehrenamtliches Wirken für die sächsische Heimat ausgezeichnet. Als erstes übergab Professor Hans-Jürgen Hardtke dem Ehrenvorsitzenden Matthias «Matz» Griebel die Ehrenmedaille. Dr. Gerhart Pasch wurde – für ihn selbst überraschend – zum Ehrenmitglied des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz ernannt. Die Laudatio hielt Dr. Hans- Joachim Jäger. Sie ist in diesem Heft nachzulesen. Mit der Ehrennadel des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz wurden Heidi Schmidt von der Ortsgruppe Dresden-Gompitz und Hans Fischer vom Freundeskreis Heimatfreunde Dresden-Oberwartha geehrt. Harald Worms dankte ihnen für die langjährige engagierte Heimatschutz- Arbeit in den Gruppen vor Ort.

Auch in diesem Jahr konnten der Versammlung wieder interessante Fachvorträge vorgestellt werden. Jasmin Kaiser vom Landesamt für Archäologie Sachsen sprach unter der Überschrift «Gestatten, wir sind Lausitzer!» von den Grabungen am Schafberg bei Niederkaina. Sie umriss dabei die lange Grabungstradition – die ersten Grabungen wurden noch von Walter Frenzel in den 1920er Jahren geleitet – und die inzwischen interdisziplinäre Ausrichtung bei der Erforschung dieser einzigartigen Grabanlage. Diese ist nicht nur aufgrund ihrer langen Nutzungszeit, die ältesten Gräber stammen aus der Lausitzer Kultur (1100–780 v. Chr.) und die jüngsten aus der Späten Billendorfer Kultur (780–500 v. Chr.), sondern auch wegen ihres Ausmaßes mit allein 1200 Gräbern aus der letztgenannten Epoche, die auch als Frühe Eisenzeit bezeichnet wird, außergewöhnlich.

Die Architektin Kerstin Richter vom Sächsischen Verein für Volksbauweise berichtete von einer anderen Besonderheit der südlichen Oberlausitz (und darüber hinaus) – dem Umgebindehaus. Sie ging dabei insbesondere auf bauliche Eigenheiten ein, die in der näheren Umgebung besichtigt werden können, wie Fassaden- und Dachgestaltungen durch Schiefer und die Gestaltung von Fenstern und Türen. In diesem Zusammenhang stellte sie einige Bauwerke vor, die in den letzten Jahren mit viel ehrenamtlichen Engagement und Unterstützung durch Förderprogramme gesichert und neuen Nutzungszwecken zugeführt werden konnten.

Uwe Hessel vom Verein WIMAD brachte in seinem Vortrag den Anwesenden ein Stück Industriegeschichte aus Niederoderwitz näher, indem er die Geschichte der dortigen Schokoladenfabrik vorstellte. Dabei widmete er seinen Beitrag dem Anfang April verstor- Die Vorstellung unserer Publikation «Ländlicher Raum in Sachsen» wurde auch im Fahrgastfernsehen der Dresdner Verkehrsbetriebe angekündigt benen Verleger Frank Stübner vom Lusatia- Verlag in Bautzen. Die Schokoladenfabrik ist heute wortwörtlich in vieler Munde, wurde doch dort nach dem Zweiten Weltkrieg der «Schoko-Hohlkörper » entwickelt. Ebenso sind die noch heute produzierten Schokobecher Vielen von eigenen Familienfeiern wohlbekannt.

Im letzten Vortrag ging Professor Hans-Jürgen Hardtke auf die überaus vielfältige Naturausstattung der Gröditzer Skala bei Weißenberg ein. Hier engagiert sich der Landesverein seit einigen Jahren, um die ehemalige Parkanlage am Schloss Gröditz wiederherzustellen. Dabei sind ein intensiver Fachaustausch und ein Abwägen der jeweiligen Prioritäten zwischen Naturschutz und Denkmalpflege notwendig, damit die wundervolle Anlage in ihrer Schönheit wieder einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden kann.

Ehe Dr. Gerhart Pasch uns als Veranstaltungsleiter zu den anschließenden Exkursionen des Nachmittags entließ, kündigte er nochmals das nächste Jahrestreffen vom 11. bis 13. Mai 2018 an und lud uns nach Borna ein. In einem Jahr sehen wir uns also im Naturraum des Bergbaureviers Südraum Leipzig, dem heutigen Leipziger Neuseenland wieder und freuen uns auf erlebnisreiche Tage in der Stadt Borna am Rande der reizvollen Wyhraaue.

Cornelia Müller (Text und Bilder aus Mitteilungen 2/2017)

> Jahrestreffen in Oschatz 2016

St. Aegidien Kirche Oschatz Thomas-Müntzer-Haus Oschatz

Vom 20. bis 22. Mai 2016 fand das Jahrestreffen in Oschatz  statt. Bereits am Freitag gab es die ersten Exkursionen. Eine Besonderheit war die abendliche Führung „Oschatz im Abendlicht“. Am Sonnabend fand die Jahreshauptversammlung im Thomas-Müntzer-Haus satt und im Anschluss gab es Führungen. Am Sonntag wurden drei Exkursionen in der Umgebung von Oschatz durchgeführt.

Hier sehen Sie einige Eindrücke von der Jahreshauptversammlung. Im Mitteilungsheft 2/2016 können Sie einen ausführlichen Bericht zur Jahreshauptversammlung 2016 und zu den heimatkundlichen Exkursionen nachlesen.

Musikalische Begrüßung durch den Musikverein Lampertswalde e.V.

Begrüßung der Teilnehmer Dr. Gerhart PaschDer Vorsitzende Prof. Dr. Hans-Jürgen Hardtke brichtet über den Vorstand

Prof. Dr. Karl Mannsfeld berichtet über den Fachbereich Naturschutz/Landschaftsgestaltung

Frau Ute Zschieschang bekommt die Ehrennadel überreichtDr. Rudi Koeppe bekommt die Ehrennadel überreichtRainer Hoelzer bekommt die Ehrenmedaille überreicht

> Jahrestreffen in Schwarzenberg 2015

Die Mitgliederversammlung in Schwarzenberg

Ein Vierteljahrhundert nach der Wiederbelebung des Landesvereins waren alle Mitglieder und Interessierten zur Hauptversammlung ins Erzgebirge nach Schwarzenberg eingeladen. Die Mitgliederversammlung fand am 9. Mai in Crandorf statt. Die Mehrzweckhalle Lindenhof war dafür festlich geschmückt worden. Zur Begrüßung spielten bei schönstem Sonnenschein die «Crandorfer Musikanten», während die Ankommenden die Zeit bis zum Veranstaltungsbeginn für intensive Gespräche, den Kauf des neuen Kalenders 2016 sowie des einen oder anderen Souvenirs am Kunstgewerbe- und Bücherstand nutzten.

Um 10 Uhr war es dann soweit und Dr. Gerhart Pasch übernahm die Moderation der Mitgliederversammlung, wobei er zunächst neben den Mitgliedern die Ehrengäste begrüßte: den Landtagsabgeordneten Ronny Wähner, die Oberbürgermeisterin von Schwarzenberg Heidrun Hiemer, Dr. Hartmut Schwarze vom Sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft, den Stiftungsdirektor der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt Bernd Dietmar Kammerschen, Elvira Werner von der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, die 1. Bundesvorsitzende des Erzgebirgsvereins Dr. Gabriele Lorenz sowie die Ehrenvorsitzenden des Sächsischen Bergsteigerbundes Dr. Ulrich Voigt und des Landesvereins Matthias Griebel.

Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer begrüßte alle Anwesenden herzlich in der «Perle des Erzgebirges», wie Schwarzenberg 1880 in einer Rede König Alberts genannt worden war. Sie verwies auf den Strukturwandel, den die Stadt in den vergangenen 25 Jahren durchlaufen musste. So leben jetzt etwa 17500 Einwohner hier, während es noch 1998 etwa 21000 waren; glücklicherweise konnte die Abwanderung inzwischen etwas aufgehalten werden. Höhepunkte im kulturellen Leben der Stadt und der Region sind das bunte Straßenfest «Republik Schwarzenberg» im Juni, der traditionelle Weihnachtsmarkt, der zweitälteste nach dem Dresdner Striezelmarkt, die verschiedenen Ausstellungen im Schloss Schwarzenberg, weitere museale Einrichtungen wie das Eisenbahnmuseum sowie die vielfältigen Veranstaltungen auf der Waldbühne. Ronny Wähner, auch stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises der CDU-Fraktion «Ländlicher Raum, Umwelt, Landwirtschaft», ging in seinem Grußwort auf die Probleme ein, die durch den Wegzug vieler junger Menschen in den vergangenen Jahren entstanden sind. Sie sind ihm sehr vertraut, da er seit 2013 gleichzeitig ehrenamtlicher Bürgermeister von Königswalde ist, einem der markanten Waldhufendörfer des Erzgebirges. Er wies darauf hin, dass Ideen gefunden werden müssen, um gerade diese Menschen zur Rückkehr in den ländlichen Raum zu gewinnen, wobei es keine allgemein gültigen Patentlösungen gäbe.

Hartmut Schwarze überbrachte die Grußworte im Namen des Staatsministers Thomas Schmidt. Er verwies auf die vielfältige Zusammenarbeit zwischen dem Landesverein und dem Ministerium, so beispielsweise in der Gutachtertätigkeit. Diese Arbeit ist wesentlich für die Realisierung sachgerechter Projekte. Der gemeinsame Einsatz zum Schutz des Birkhuhnes ist ein weiteres Beispiel, ebenso die Mitarbeit in verschiedenen Gremien, wie für den Landeswettbewerb «Ländliches Bauen». Hartmut Schwarze wies darauf hin, dass von der Sächsischen Regierung ein neues Förderprogramm für die im Wandel begriffene Landwirtschaft gestartet wird und damit wichtige Rahmenbedingungen gesetzt werden. Andererseits betonte er, dass die Nachwuchs-Frage – auch im Ehrenamt – ein überaus wichtiges Thema ist, dem man sich mit kreativen und individuellen Lösungsansätzen stellen müsse.

Bernd Dietmar Kammerschen stellte in seinen kurzen und prägnanten Grußworten die gemeinsamen Ziele von Landesverein und Landesstiftung heraus. Dabei sind beide Organisationen auch personell verbunden – so ist Hans-Jürgen Hardtke auch Mitglied des Stiftungsrates.

vor der Mehrzweckhalle Gabriele Lorenz hieß alle Anwesenden im «Hoheitsgebiet» des Erzgebirgsvereins herzlich willkommen. Von Beginnan gab es eine enge Zusammenarbeit und Freundschaft, die desgleichen noch in der Gegenwart weiter vertieftund intensiviert wird. Am 21. April 2015 feierte der Erzgebirgsverein «25 Jahre Wiederbelebung» in seiner Heimat,wobei Jens Uhlig die Grüße des Landesvereins überbrachte. Das angesprochene Ziel, besonders junge Menschenzur Mitarbeit zu gewinnen, gehört zu einem der Schwerpunkte in der Vereinsarbeit. Hierbei soll auch die entstehende neue Internetpräsentation des Erzgebirgsvereins behilflich sein.

Das letzte Grußwort dieses Vormittages sprach Ulrich Voigt vom Sächsischen Bergsteigerbund. Diesem Verein gehören über 11000 Mitglieder an und er ist seit Jahren eng mit dem Landesverein verbunden. Ausdruck dessen ist beispielsweise die Aufnahme von Jürgen Dittrich in den geschäftsführenden Vorstand des Landesvereins und das langjährige Wirken von Konrad Creutz im Arbeitskreis Sächsische Schweiz und im Gesamtvorstand. Im Sächsischen Bergsteigerbund gehört der Naturschutz zu einem wichtigen Aufgabenfeld. Er verfügt über eine eigene Zeitung, was nicht für jede der im Deutschen Alpenverein vertretenen Organisationen die Regel ist. Zu den öffentlichkeitswirksamen Tätigkeitsfeldern gehört die Traditions- und Musikpflege kraft dreier Männerchöre. Als besonderes Geschenk übergab er dem Vorsitzenden eine alpenländische Kuhglocke, die nunmehr dafür dienen möge, dass alle Teilnehmer der Hauptversammlung immer wieder pünktlich auf ihren Plätzen erscheinen.

Im Anschluss an die Grußworte erhoben sich alle im Gedenken an die im zurückliegenden Jahr verstorbenen Mitglieder, deren Namen Gerhart Pasch verlas. Der Bericht des Vorstandes wurde in diesem Jahr in leicht geändertem Prozedere vorgelegt. Hans-Jürgen Hardtke stellte zunächst die Schwerpunkte der allgemeinen Vereinsarbeit im zurückliegenden Jahr vor, Karl Mannsfeld dokumentierte danach die Arbeit im Fachbereich Naturschutz/Landschaftsgestaltung.

Der Vorsitzende ging eingangs kurz auf die aktuellen politischen Bewegungen insbesondere in Dresden ein, die gerade zum Jahreswechsel auch zu intensiven Diskussionen innerhalb des Vorstandes geführt hatten. Zur Positionsbestimmung war vom Gesamtvorstand die Dresdner Erklärung verabschiedet worden (siehe Mitteilungen 1/2015). Der Landesverein ist durch seine Mitglieder und die Mitarbeit in mehreren anderen Vereinen und Initiativen für Naturschutz oder Heimatgeschichte eng verbunden mit vielen bürgerschaftlich Engagierten in Sachsen, so in der Jury für den Sächsischen Landespreis für Heimatforschung und in der für den Sächsischen Umweltpreis. Zur Vorstandsarbeit gehörten neben den regelmäßigen Sitzungen unter anderem auch Beratungen mit der Domowina und dem Bergsteigerbund und Begehungen, zum Beispiel auf dem Niederwarthaer Burgberg. Zahlenmässig ist der Landesverein mit etwas über 1100 Mitgliedern fast gleichbleibend, doch muss unbedingt engagierter Nachwuchs gewonnen werden. Dazu dient auch das aktuelle vorliegende Informationsblatt über die Arbeit des Landesvereins. Als Dachverband vertritt der Landesverein etwa 18000 Mitglieder. Erfreulich sind die Neubildung der Regionalgruppe Vogtland unter Leitung von Wolfgang Viebahn und die Gründung der Ortsgruppe Bad Gottleuba-Oelsen mit Karl-Heinz Mayer als Vorsitzendem. Derzeit erarbeiten Jürgen Dittrich und Jens Uhlig die Konzeption für eine Fachgruppe Geologie, deren Arbeit seit einigen Jahren geruht hat. Zu den neuen körperschaftlichen Mitgliedern gehören der Deutsche Alpenverein – Sektion Dresden e.V., der Heimatverein Boxdorf e.V. sowie der Förderverein Rötha. Gestern. Heute.Morgen. e.V. Gerade die Zusammenarbeit mit den Vereinen in den verschiedenen Regionen Sachsens soll verstärkt werden, zum Beispiel durch gemeinsam durchgeführte Veranstaltungen und gemeinsam herausgegebene Pressemitteilungen. Beispielhaft für die aktive Vereinsarbeit nannte Hans-Jürgen Hardtke die Aktivitäten des Artur-Kühne-Vereins Wilsdruff. Besonders interessant ist die Aufarbeitung der Wilsdruffer Totenbücher, die zum Volkstrauertag vorgestellt werden konnten. Der Verein Sächsischer Ornithologen eröffnete im letzten Frühjahr auf Schloss Rochsburg die neue Vereinsbibliothek. Der Vorstand des Landesvereins übergab für diese Bibliothek große Teile des Nachlasses von Rudolf Zimmermann. Der 1878 in Rochsburg Geborene war einer der Gründungsväter des Vereins Sächsischer Ornithologen und aktives Mitglied im Landesverein. Die Arbeitsgemeinschaft sächsischer Botaniker führte ihre 60. Jahrestagung in Eilenburg durch. Nach langjähriger Bearbeitungszeit konnte das Standardwerk, der «Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands», vom Netzwerk Phythodiversität Deutschlands e.V. und dem Bundesamt für Naturschutz herausgegeben werden. Die AGsB hat für Sachsen wesentlichen Anteil an der Entstehung dieser Publikation.Die Fachgruppe Geobotanik des Elbhügellandes feierte im Januar 2015 mit einer Festveranstaltung an der TU Dresden ihr vierzigjähriges Bestehen.

Zu den vornehmlichen Aufgaben eines jeden Vorstandes gehört eine aktive Öffentlichkeitsarbeit, so auch im Landesverein. Dazu zählt unter anderem unsere Teilnahme am Tag der Sachsen 2014 in Großenhain, auf dem wir zusammen mit der Archäologischen Gesellschaft in Sachsen e.V. einen Stand gestaltet hatten. Im laufenden Jahr wird

sich der Landesverein nicht beteiligen, jedoch 2016 in Limbach-Oberfrohna wieder dabei sein. Fester Bestandteil unserer Öffentlichkeitsarbeit sind die Mitteilungen, der Kalender – die Ausgabe für 2016 konnte während der Mitgliederversammlung erworben werden – sowie eine Reihe von Sonderpublikationen. Von einer Arbeitsgruppe um Barbara Ditze und Igor A. Jenzen wird die Internetseite des Landesvereins grundlegend in Aufbau und Gestaltung umgearbeitet, um so sich ändernden Informationsgewohnheiten besser gerecht zu werden. Barbara Ditze und Pia Liebscher haben wesentlichen Anteil an der Realisierung der Website, die im Frühsommer freigeschaltet wird. Um über ihre Ziele und Arbeitsweise zu informieren, veröffentlichte unter Federführung von Petra Westphalen die AG Industriekultur ein neues Faltblatt. Am 15. November 2014 fand im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (SMAC) das Festsymposium «Heimatschutz heute – Positionen und Reflexionen» statt. Anlass waren die runden Geburtstage von Silvia Karsch, Dr. Johannes Just, Professor Dr. Karl Mannsfeld, Dr. Gerhart Pasch und Professor Dr. Hans-Jürgen Hardtke, zusammen immerhin 360 Jahre. Die Veranstaltung bot anregende und informative Fachvorträge, vorgetragen von Dr. Sabine Wolfram, Professor Dr. Rosemarie Pohlack, Professor Dr. Hansjörg Küster und Professor Dr. Peter A. Schmidt. Bezüglich der Aktivitäten der AG Eigentum berichtete der Vorsitzende, dass der Landesverein neue Flächen im Ketzerbachtal erworben hat. Er erneuerte bei dieser Gelegenheit seinen Aufruf, ein dichtes Betreuernetz für die jeweiligen Eigentumsflächen aufzubauen, um eine verantwortungsvolle Pflege und Kontrolle gewährleisten zu können. So mussten auch in den zurückliegenden Monaten Schäden, welche beispielsweise durch Hochwasser oder Stürme entstanden, behoben werden. Seit Neuestem wird aus den Erträgen einer unserer Streuobstwiesen mit lokaler Unterstützung unser eigener Apfelsaft gekeltert. Das ehemalige Wanderheim Heinersgrün hat der Landesverein seit vielen Jahren in Erbpacht genommen; nunmehr konnte Regina Waltz als Betreuerin gewonnen werden. Sie erarbeitet im Auftrag des Vorstandes eine Konzeption für Sanierung und spätere Nutzung des Gebäudes. Zum Abschluss verwies Hans-Jürgen Hardtke auf die Aktivitäten der AG Industriekultur. Zu deren umfangreichem Arbeitsprogramm gehört es, mithilfe eines Erfassungsformulars eine grundlegende Dokumentation über die vorhandenen Industriedenkmäler Sachsens anzulegen. Dabei sei man für jede Hilfe und Unterstützung dankbar.

Karl Mannsfeld sprach zur Arbeit im Fachbereich als Vorsitzender des Fachbereichs Naturschutz/Landschaftsgestaltung. Er verwies zunächst auf die 2014 ausgearbeiteten Wahlprüfsteine und lud dazu ein, diese als Grundlage bei Gesprächen mit Vertretern der verschiedenen Parteien zu nutzen und auf unsere Forderungen, zum Beispiel zu kommunalen Baumschutzordnungen, zu Maßnahmen im vorbeugenden Hochwasserschutz und zur Erhöhung der Biodiversität, aufmerksam zu machen. Gerade befindet sich eine Publikation «Bewahrung der biologischen Vielfalt – Beispiele aus Sachsen» in Vorbereitung, die insbesondere für Lehrer als Handreichung dienen soll. Darüber hinaus hat die mit dem SMK verabredete Kooperation weitere konkrete Unterstützungsformen ergeben. Im Herbst 2014 haben Hans-Jürgen Hardtke und Peter A. Schmidt an zwei Tagen Weiterbildungsveranstaltungen für Biologielehrer durchgeführt und werden dieses Angebot 2015 im Erzgebirgsraum erneuern. Die Schulung von Biologielehrern, die Erarbeitung einer Handreichung zur Biologischen Vielfalt, aber auch die Exkursionsangebote unserer AG Schule und Heimat sind Ausdruck des über Jahre praktizierten Grundsatzes des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, fachliche Kompetenzen zur Anwendung in der schulischen Praxis zu vermitteln. Denn dort wird der Grundstein für das Verhalten der jungen Generation zum Umgang mit unseren Naturressourcen und Naturschönheiten gelegt. Der Fachbereich behandelte in seinen monatlichen Treffen verschiedene Grundsatz- und Spezialfragen, wie den Baumschutz, Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft und den speziellen Artenschutz (Schwarzstorch, Uhu, Birkhuhn).Im Rahmen der Gutachtertätigkeit wurden im vergangenen Berichtszeitraum insgesamt 490 Stellungnahmen verfasst, darunter 310 zustimmend, davon 120 als Zustimmung mit Auflagen. Lediglich 54 Vorhaben wurden abgelehnt. Somit ist der Landesverein kein Verhinderungsverein gesellschaftlichen Fortschritts, wie naturschutzaktive Vereine häufig auf verallgemeinernde Art und Weise in der breiten Öffentlichkeit gern verunglimpft werden.

Karl Mannsfeld ging in seinen weiteren Ausführungen insbesondere auf Aufgabenstellungen im Artenschutz ein. Es ist notwendig, eine gesetzliche Grundlage für FFH- und SPA-Gebiete über den allgemeinen Grundschutz hinaus zu schaffen. Er forderte eine termingerechte Umsetzung der Verpflichtung zur Schaffung eines Biotopverbundes, die Schaffung von Saumstrukturen an den Waldrändern, die Vermeidung von Flächenabgang,Maßnahmen zum direkten Artenschutz, eine generelle Verringerung der stofflichen Belastung, eine Stärkung des öffentlichen Problembewusstseins und die Bereitstellung ausreichender Haushaltsmittel zur Erfüllung der Naturschutzerfordernisse sowie eine Verringerung der Bürokratie in den Förderprogrammen.

Harald Worms legte als Schatzmeister anschließend seinen Bericht über den Haushalt 2014 vor (Übersicht ist in diesem Heft abgedruckt). Er wurde von seiten der beiden Kassenprüferinnen, Annelie Püschel und Christel Hermann, in der Genauigkeit der Kassen- und Unterlagenführung bestätigt.

Der Vorstand wurde schließlich mit überwiegender Mehrheit, bei einer Ablehnung und zwei Enthaltungen entlastet. Ausführlicher als in den vergangenen Mitgliederversammlungen konnte auf Grund des guten Zeitmanagements die Diskussion unter den Mitgliedern geführt werden. Die erste Wortmeldung kam von Rainer Haschke (Dresden), der eine bessere Verwendung von Steuermitteln forderte. Als Beispiel nannte er die wiederholten Baumaßnahmen im Bereich Talstraße/Hässigestraße in Dresden nahe dem Stausee Oberwartha, durch die der dortige Bestand an Feuersalamandern gefährdet ist. Als Reaktion darauf wurde der Hinweis gegeben, in solchen Problemfragen die zuständigen Behörden einzubeziehen. ThomasWestphalen (Langebrück) schlug in Vorbereitung auf den nächsten Heimattag in Freiberg vor, das Thema «Transformation der Kulturlandschaft» stärker in den Fokus zu setzen. Wolfgang Schubert (Dresden) stellte die Frage, ob Genaueres über den Bau eines sogenannten «Skywalk», einer großflächigen und teilweise frei schwebenden Aussichtsplattform, am Berghotel Augustusberg bei Gottleuba bekannt sei, denn im Hotel hängen bereits die Baupläne aus. Hans-Jürgen Hardtke gab Auskunft: Dieses ist durch den Landesverein im Rahmen seiner Gutachtertätigkeit abgelehnt worden. Nicht immer werden aber die begründeten Ablehnungen der anerkannten Naturschutzvereine als relevant anerkannt. Karl Mannsfeld ergänzte, dass die verantwortlichen Behörden das entscheidendeWort haben und man sich bei ihnen über die Gründe für eine zustimmende Entscheidung erkundigen sollte. Ehrenmitglied Peter Biele (Magdeburg) verwies noch einmal auf die Notwendigkeit einer guten Öffentlichkeitsarbeit, da der Landesverein zu wenig in den Medien präsent ist. Hans-Jürgen Lang (Bovenden) brachte in diesem Zusammenhang ein Beispiel aus Göttingen, in dessen lokalem Tageblatt, in einer eigenen Kolumne, sich der ehemalige Naturschutzbeauftragte zu aktuellen Fragen äußert und dabei eine überwiegend positive Resonanz erfährt.

Ein anderes gutes Werbe-Beispiel sei der Kalender, der in Zusammenarbeit mit der dortigen Sparkasse nun schon mit einer Auflagenhöhe von 32000 Stück herausgegeben wird. Hans-Jürgen Hardtke verwies an dieser Stelle darauf, dass die Öffentlichkeitsarbeit auf lokaler Ebene teilweise bereits gut läuft, und nannte die Aktivitäten in Reichenbach und Pirna als Beispiele. Schwieriger gestalteten sich die Gespräche mit den Pressevertretern auf übergeordneter Ebene, da dort trotz wiederholter Gespräche von Hans-Joachim Jäger, Igor A. Jenzen und ihm selbst noch kein einheitliches Verständnis für die Arbeit des Landesvereins bestehe. Doch ist der Landesverein über Gerhart Pasch bereits seit Jahren im Rundfunkrat vertreten – so berichtete der Mitteldeutsche Rundfunk mehrmals in diesem Jahr mit kurzen Beiträgen im Sachsenspiegel über Aktivitäten des Landesvereins. Ulrich Voigt vom Bergsteigerbund würdigte in einer spontanen Stellungnahme die ehrenamtliche Arbeit des Vorstandes.

Die «Crandorfer Musikanten» spielen aufDer Kalender 2016 findet großen Anklang

Blick in die Mehrzweckhalle LindenhofDr. Pasch führt in bewährter Weise durch die

Schwarzenberger Oberbürgermeisterin Heidrun HiemerVorstandsmitglied Dr. Johannes JustUlrich Voigt vom Sächsischen Bergsteigerbund

Professor Hans-Jürgen Hardtke gratuliert Dieter Bartusch zur Verleihung der Ehrennadel

Wie Johannes Just ausführte, war es aufgrund von Gesetzesänderungen notwendig geworden, Passagen der Satzung des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz in ihrem Wortlaut zu ändern. Entsprechend  dem Vereinsrecht waren alle Mitglieder über die Notwendigkeit sowie Inhalt und Form der Satzungsänderung rechtzeitig mit der Einladung zur Mitgliederversammlung informiert worden. Da es nach dieser Erklärung vonseiten der Mitglieder keine Wortmeldungen gab, schritt man sogleich zur Abstimmung. Die Änderungen wurden einstimmig beschlossen. Der nächste Programmpunkt war die Laudatio für den diesjährigen Träger der Ehrennadel. Gerhart Pasch stellte den Geehrten vor: Dieter Bartusch aus Radebeul.

Er konnte bereits am 30. März dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feiern. Zunächst hatte er in seiner Jugend eine Maurerlehre absolviert und später noch ein Studium in Zittau angeschlossen. Von 1957–1963 studierte er zusammen mit dem Laudator Architektur an der TU Dresden und konnte 1973 erfolgreich seine Promotion verteidigen. Er engagierte sich mit Fleiß und Akribie für seine Aufgabenstellungen und gehört seit vielen Jahren zu den besonders aktiven und zuverlässigen Mitgliedern des Landesvereins, sein besonderer Einsatz gilt der Dorfentwicklung, deshalb ist er auch in der gleichnamigen Arbeitsgruppe tätig. Von 1991 bis zum Eintritt in die Rente 1998 arbeitete er im neu begründeten Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden. Nach der Mittagspause, die mit Genüssen aus der gutbürgerlichen Küche und intensiven Gesprächen angefüllt war, folgten die Fachreferate:

Ans Licht gebracht – Archäologie in mittelalterlichen Bergwerken
Referentin: Dr. Christiane Hemker, Landesamt für Archäologie

Naturschutzzentrum Erzgebirge gGmbH in Dörfel
Referentin: Claudia Pommer, Naturschutzzentrum Erzgebirge

Freie Republik Schwarzenberg. Realität und Mythos eines bemerkenswerten Zufalls im Jahr 1945
Referent: Dr. phil. Justus H. Ulbricht, Dresden.

Diese Vorträge fanden eine gute Resonanz, und es ergaben sich interessanteDiskussionen, die noch im Anschluss in Einzelgesprächen fortgesetzt wurden.

Cornelia Müller(Mitteilungen Heft 2/2015)

 

2014     Pulsnitz im Schützenhaus (Mitteilungen 2/2014)

2013     Reichenbach/Vogtland im Neuberinhaus (Mitteilungen 2/2013)

2012     Niesky im Bürgerhaus   (Mitteilungen 2/2012)

2011     Delitzsch im Bürgerhaus (Mitteilungen 2/2011)

2010     Crimmitschau im Theater (Mitteilungen 2/2010)

2009     Seiffen im Haus des Gastes (Mitteilungen 2/2009, S. 72-78)

2008     Dresden im Ball- & Brauhaus Watzke (Mitteilungen 2/2008 S. 3 ff.)

2007     Pirna in der Herderhalle (Mitteilungen 2/2007)

2006     Leisnig im Schützenhaus (Mitteilungen 2/2006)

2005     Annaberg-Buchholz im Erzhammer (Mitteilungen 2/2005 S. 67 ff.)

2004     Großenhain im Kulturhaus Schloss (Mitteilungen 2/2004 S. 60 ff.)

2003     Sebnitz in der Stadthalle (Mitteilungen 2/2003 S. 66 ff.)

2002     Ostritz im Internationales Begegnungszentrum Kloster St. Marienthal (Mitteilungen 2/2002 S. 2 ff.)

2001     Freiberg im Festsaal der Stadt Freiberg (Mitteilungen 2/2001 S. 63 ff.)

2000     Grimma-Nimbschen in der Kulturscheune Kloster Nimbschen (Mitteilungen 2/2000 S. 77 ff.)

1999     Zwickau in der Katharinenkirche (Mitteilungen 2/1999 S. 79 ff.)

1998     Meißen im Stadttheater (Mitteilungen 3/1998 S. 2 ff.)

1997     Hoyerswerda in er Lausitzhalle (Mitteilungen 3/1997 S. 3 ff.)

1996     Plauen im Malzhaus (Mitteilungen 2/1996 S. 58 ff.)

1995     Rochlitz in der Petrikirche (Mitteilungen 2/1995 S. 77 ff.)

1994     Kamenz im Hotel Dresdner Hof (Mitteilungen 3/1994 S. 79 ff.)

1993     Torgau IM Kulturhaus Rosa Luxemburg (Mitteilungen 2/1993 S. 75 ff.)

1992     Augustusburg im Schloss Augustusburg (Mitteilungen 2/1992 S. 65 ff.)

1991     Weesenstein im Schloss Weesenstein (Mitteilungen 2/1991 S. 3 ff.)

1990     Dresden in der Tonne des Kurländer Palais