Dresdener Erklärung

Mit Sorge schauen wir auf die Kriege in vielen Teilen der Welt, auf Fanatismus, Gewalt und Terror, wodurch viele Menschen gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. Mit Unbehagen erfüllen uns Anzeichen eines Klimas der Frustration, Intoleranz, Vorverurteilung und Polarisierung in unserem sächsischen Heimatland.

Wir, die Mitglieder des Gesamtvorstandes des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, treten ein für bürgerschaftliches Engagement, tätiges Miteinander und Menschlichkeit. Bereits im Jahre 1908 gegründet und nach 1990 wiedererstanden, widmen wir uns satzungsgemäß zum einen – in unserer Rolle als staatlich anerkannte Naturschutzvereinigung – der Bewahrung der Natur und der Landschaften in Sachsen in ihrer Eigenart und Unverwechselbarkeit, zum anderen der Erhaltung, Pflege, Gestaltung und Erforschung des ländlichen Raumes, der Denkmale der Baukunst und Technik und anderer historischer Zeugnisse sowie der reichen Traditionen und Schöpfungen der Volkskunst und -kultur.

Heimat steht als Synonym für zu bewahrende Werte in einer sich rasch verändernden Welt. Heimatliebe bedeutet für uns, auch andere Menschen zu akzeptieren und teilhaben zu lassen, sofern sie unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung respektieren und sich mit unserem humanistischen Wertesystem identifizieren.

Wir wenden uns entschieden gegen die Fehldeutung oder Verunglimpfung des Heimatbegriffes als überholt und rückwärtsgewandt sowie gegen den Missbrauch des Namens „Heimatschutz“ für Militanz, Extremismus und Fremdenfeindlichkeit.

Gemäß unserem 2005 in Annaberg-Buchholz formulierten „Bekenntnis zu unserer sächsischen Heimat“ treten wir weiterhin dafür ein, dass die Reichtümer von Natur und Kultur Sachsens für die jetzigen und für kommende Generationen erhalten bleiben und alle, die hier leben, Geborgenheit und Entfaltungsmöglichkeiten finden können. Dafür sind Menschen mit Tatkraft, Herz und Verstand gefragt, die sich Sachsen verbunden fühlen und bereit sind, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.

Gesamtvorstand des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V. im Februar 2015

Bekenntnis zu unserer sächsischen Heimat

Heimat ist dort, wo wir aufgewachsen sind oder Wurzeln geschlagen haben, wo wir uns zu Hause wissen und wohlfühlen. Es ist die vertraute Landschaft, die Stadt, das Dorf, der Arbeitsplatz, die Schule ... Es ist die Natur in ihrer Vielfalt und es sind die kulturellen Überlieferungen, die eine Landschaft zur Heimat werden lassen. Und es sind natürlich die Menschen mit ihrer vertrauten Sprache, ihren Eigenheiten und Traditionen. Heimatverbundenheit, wie wir sie verstehen, hat nichts zu tun mit Heimattümelei. Ohne Heimat verliert der Mensch oft auch seine sozialen Bindungen, wird verführbar für demagogische Parolen. Die gefährdete Umwelt und der zu beobachtende Werteverfall haben den Begriff Heimat in weiten Teilen der Gesellschaft wieder "modern" werden lassen. Er steht als Synonym für zu bewahrende Werte in einer sich schnell verändernden Welt.

Das Bewahren und Beschützen der heimatlichen Natur und der überlieferten Kulturzeugnisse in Sachsen ist seit fast einem Jahrhundert das Anliegen unseres Landesvereins Sächsischer Heimatschutz. Seit der Gründung im Jahre 1908 vertreten wir als einer der stärksten Heimatpflegevereine Deutschlands tatkräftig und erfolgreich die Interessen der sächsischen Naturschützer und Landschaftspfleger, der vielen meist ehrenamtlich tätigen Denkmalpfleger, Ortschronisten und Volkskundler, bieten allen, denen die Werte unserer Heimat am Herzen liegen, eine gemeinsame Plattform zu aktiver Teilnahme. Besonders geht es uns darum, die Heimatverbundenheit in jungen Menschen zu wecken und zu fördern.

Bei allen Bemühungen um die Bewahrung überkommener Werte stehen wir notwendigen Veränderungen aufgeschlossen gegenüber. Beschützen ist nur sinnvoll, wenn gleichzeitig am Neuen mitgestaltet wird.

Unsere Vorstellungen von zeitgemäßem Heimatschutz waren immer eng mit den praktischen Erfordernissen in Stadt und Land verbunden. Wir wissen, dass Heimat immer aufs neue erfahren werden muss. Die offene Gesellschaft von heute stellt auch in dieser Hinsicht eine neue Herausforderung dar und bietet zugleich neue Möglichkeiten, sich verantwortungsvoll einzumischen und bei der Suche nach den besten Lösungen mitzuwirken.

Mit unserer Überzeugung von einem notwendigen und wohlverstandenen Heimatschutz stehen wir mitten im gesellschaftlichen Leben, lassen uns aber von keiner politischen Richtung vereinnahmen. Wir haben uns in der Vergangenheit mit Kräften auseinandersetzen müssen, die ideologiesüchtig den Begriff Heimat als überholt und unsere Ziele als rückschrittlich verunglimpft haben. Heute stellen wir fest, dass es – nicht nur in Sachsen – Versuche von rechtsextremen Parteien und Organisationen gibt, unsere Ziele zu vereinnahmen und den Begriff Heimatschutz im Sinne von unsäglicher Blut-und-Boden-Theorie zu mißbrauchen. Mit diesen Kräften haben wir aus unserem Selbstverständnis heraus nichts gemein. Rechtsextreme Aktivitäten sind eine Schande für unser Land.

Wir treten dafür ein, dass Sachsen für alle, die hier leben, heimatliche Geborgenheit und wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeit bietet, dass die Schönheiten der Natur und die Reichtümer der Kultur für uns und die Nachkommenden bewahrt werden. In diesem Sinne werden wir auch in Zukunft unbeirrt für unsere sächsische Heimat tätig sein.

Verabschiedet von der Hauptversammlung
am 28. Mai 2005 in Annaberg-Buchholz